Zeitung Heute : Mit Lizenz zum Weltmeister

Stephan Hermanns[Nürnberg]

Für die deutsche Elf geht es beim Confed-Cup nun nur noch um Platz 3. Was wäre – die Leistungen der vergangenen Wochen betrachtet – die Mannschaft für die WM 2006?

So wie es aussieht, wird die deutsche Nationalmannschaft die Fußballwelt in Zukunft noch häufiger vor nicht zu lösende Probleme stellen. Carlos Alberto Parreira, der Nationaltrainer der Brasilianer, hat das Problem sehr elegant umgangen. Seine Mannschaft hatte gerade das Halbfinale des Confed-Cups gegen Deutschland gewonnen, als er zu den Perspektiven des Gegners im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 befragt wurde. Parreira ist sehr zuversichtlich, was die Deutschen betrifft, schließlich verfüge Bundestrainer Jürgen Klinsmann über gute Spieler: Oliver Kahn, Michael Ballack, Bernd Schneider, Torsten Frings, Lukas Podolski „und die Nummer sieben“. Die Nummer sieben heißt Bastian Schweinsteiger, und das Problem ist, dass sein Name nicht nur für Brasilianer nahezu unaussprechbar ist.

Parreira hatte – Schweinsteiger inklusive – damit fast alle Spieler genannt, die auch in einem Jahr bei der WM fast sicher für die Nationalmannschaft spielen werden. „Das Gerüst steht“, hat Klinsmann schon vor dem Confed-Cup gesagt. Und große Veränderungen haben sich im Laufe des Turniers nicht ergeben. Allenfalls Sebastian Deisler ist dem Stamm ein wenig näher gekommen: Deisler, der in seiner Karriere immer wieder krank und verletzt war, hat beim Confed-Cup alle vier Spiele bestritten, dreimal stand er in der Anfangself. Seine spielerischen und konditionellen Defizite sind ihm noch deutlich anzusehen. Sollte Deisler allerdings in der nächsten Saison bei Bayern München regelmäßig spielen und an Sicherheit gewinnen, wird Klinsmann auf ihn nicht verzichten können.

Überhaupt gibt es im Mittelfeld bereits die deutlichsten Festlegungen. Michael Ballack ist der einzige deutsche Fußballer von Weltklasseformat. Bastian Schweinsteiger gilt als unentbehrlich, weil er ein bisschen Unberechenbarkeit ins deutsche Spiel bringt, und Torsten Frings hat schon vor Klinsmanns erstem Spiel im August des vorigen Jahres eine Art Stammplatzgarantie erhalten. Weitere Kandidaten für seine Position in der Defensive sind Dietmar Hamann vom FC Liverpool und Fabian Ernst, der in der Nationalmannschaft allerdings nie so dominant aufgetreten ist wie bei seinem bisherigen Verein Werder Bremen.

Ähnlich wie Frings kann sich auch Bernd Schneider seines Stammplatzes sicher sein. Nur, welcher Platz das ist, weiß er nicht. Im rechten offensiven Mittelfeld, wo er am liebsten spielt? Hinten rechts in der Viererkette, wo er in der vergangenen Saison bei seinem Verein Bayer Leverkusen ausgeholfen hat? Oder sogar hinten links, wo er gegen Brasilien gespielt und überzeugt hat? In der Abwehr hat Klinsmann ohnehin die größten Probleme. Weder für die linke noch für die rechte Außenposition hat er bisher die passende Besetzung gefunden. Arne Friedrich hat rechts einen kleinen Vorsprung vor Andreas Hinkel und Patrick Owomoyela. Für den linken Flügel hofft Klinsmann noch auf Philip Lahm, der zurzeit verletzt ist.

In der Innenverteidigung hat sich der erst 20 Jahre alte Per Mertesacker mit seiner Ruhe und Übersicht schon zum Abwehrchef hochgearbeitet. Allerdings liegt das auch daran, dass er den gar nicht ruhigen Robert Huth an seiner Seite hat. Bei der WM wird das ganz sicher nicht der Fall sein. Mit Christian Wörns und Markus Babbel stehen dem Bundestrainer noch zwei Routiniers zur Verfügung, und auch Christoph Metzelder ist ein ernster Kandidat für die Innenverteidigung, wenn er gesund bleibt.

Im Tor scheint Oliver Kahn seinen Vorsprung auf den Herausforderer Jens Lehmann gehalten zu haben, im Sturm wird es für Klinsmann darum gehen, den passenden Partner für Deutschlands neuen Fußballliebling Lukas Podolski zu finden. Miroslav Klose , der beim Confed-Cup verletzt gefehlt hat, besitzt dabei einen entscheidenden Vorzug vor Kevin Kourani: Er ist der bessere Kopfballspieler.

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