Zeitung Heute : Mit Milch und Alkohol

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Die Ausgangsstoffe für homöopathische Arzneien werden mit Milchzucker zerrieben oder in Alkohol geschüttelt – und dabei bis zur Unkenntlichkeit verdünnt. Beispiel „Sulfur C 200“, das Medikament, das Martin Nelles bekam. Die Abkürzung „C 200“ bedeutet, dass der Ausgangsstoff 200 Verdünnungsstufen hinter sich hat, und dass dabei jeweils mit 100 (lat. „centum“, daher das C) Teilen gerechnet wurde. Das Ganze funktioniert so: Zuerst wird ein Teil der Grundsubstanz, in diesem Fall Schwefel, mit 99 Teilen Milchzucker verrieben. Ergebnis: „C 1“. Davon nimmt man wiederum ein Teil und verreibt es erneut mit 99 Teilen Milchzucker. Ergebnis: „C 2“.

So geht es immer weiter. Und während die Medikamente angeblich eine immer größere Kraft oder „Potenz“ entfalten, verringert sich Stufe um Stufe der Anteil der Ausgangssubstanz an der fertigen Arznei. Bei der ersten Verdünnung, „Sulfur C 1“, beläuft sich der Anteil von Schwefel noch auf ein Hundertstel (0,01). Bei „Sulfur C 2“ ist es nur noch ein Zehntausendstel (0,0001). Bei „Sulfur C 12“ ist mit einem Wirkstoffgehalt von gerade Mal 0,000000000000000000000001 die Grenze erreicht, von der an das Arzneimittel nahezu vollständig aus Milchzucker besteht. Wenn überhaupt, enthält nur das eine oder andere überhaupt noch zufällig ein einziges Schwefelmolekül.

Da stelle man sich „Sulfur C 200“ vor – 399 Nullen hinter dem Komma und am Ende eine 1.

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