Zeitung Heute : Mit Molekülen gegen Fettpolster

Im Berlinbiotechpark forschen junge Unternehmen an neuen Medikamenten. Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Schering finden sie dafür die richtige Infrastruktur

Henning Zander

Eigentlich ist Sven Klussmann ein Angler. In einem Schwarm von 1 000 000 000 000 000 Fischen – in Worten: eine Billiarde – sucht er den einen, der ihm am besten schmeckt. So viele verschiedene Moleküle des Typs Spiegelmer schwimmen in den Reagenzgläsern der Firma Noxxon im Berlinbiotechpark in Charlottenburg und warten auf den Einsatz als Wirkstoff in einem Medikament.

Der promovierte Biochemiker Klussmann gründete die Firma zusammen mit vier Partnern 1997. Der erste Standort des jungen Unternehmens war das Innovations- und Gründerzentrum an der Gustav-Meyer-Allee in Wedding. Doch das Stadium des Start-Up- Unternehmens war bald überwunden, die Räume auf dem ehemaligen AEG-Gelände wurden zu klein und Noxxon suchte für seine Labore einen neuen Standort, an dem Forschung und Produktion gleichermaßen möglich war. „Hier im Berlinbiotechpark konnten wird das Gebäude nach unseren Vorstellungen gestalten. Außerdem ist die Anbindung an den Flughafen, die Autobahn und den öffentlichen Nahverkehr sehr gut“, begründet Klussmann die Entscheidung für Charlottenburg. Die Infrastruktur des Geländes ist auf Firmen wie seine ausgerichtet: Bis 2002 gehörte es dem Pharmaunternehmen Schering, das hier Röntgenkontrastmittel produzierte.

Schering ist noch als Mieter vor Ort. Insgesamt haben sich 30 Unternehmen mit mehr als 800 Mitarbeitern im Berlinbiotechpark angesiedelt. Nach dem Boom der Branche Ende der 90er-Jahre und der Konsolidierung Anfang 2000 besteht nun wieder mehr Bedarf nach Flächen. Fünf neue Mieter konnte Maren Topf-Schleuning von der Berlinbiotechpark Projektentwicklung 2005 begrüßen. „Das sind junge Firmen mit sehr viel Unternehmergeist“, sagt sie. Zu ihren Aufgaben gehört es, Firmen bei der Planung der Labor- und Produktionsflächen zu beraten.

Noxxon hat sich inzwischen auf dem Markt etabliert. Gerade hat der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer die Rechte an einem Molekül gekauft, das als Inhaltsstoff eines Medikaments einmal Fettleibigkeit bekämpfen soll. Nun muss diese Annahme noch in einem mehrjährigen Prüfverfahren belegt werden – damit sind Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro verbunden, die Noxxon allein nicht schultern könnte. Eines Tages will der Biochemiker Klussmann im Unternehmen allerdings selbst Medikamente entwickeln. Falls dafür der Platz fehlt, kann sogar aus dem Konferenzraum ein Labor gemacht werden.

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