Zeitung Heute : Mit neuen Features in den Markt

Rainer Bücken

Der Absatz von Mobiltelefonen ist abgeflacht. Trotz alledem könnte so manch andere Industrie neidisch werden - gab es Ende vergangenen Jahres 48 Millionen Handynutzer in Deutschland, so sind es jetzt 55 Millionen - Tendenz weiter steigend. Und damit liegt Deutschland recht gut im europäischen Durchschnitt - nur in Italien, England und Spanien gibt es prozentual gesehen mehr Handy-Nutzer. Aber kampflos will die Industrie der sich andeutenden Abstinenz nicht zusehen.

Multifunktionstelefone scheinen das probate Mittel, um Kunden wieder öfter zum Handy greifen zu lassen und "Altgeräte" nicht erst in 24, sondern womöglich in 12 oder 18 Monaten zurückzugeben. So ist Sonys CMD-MZ5 auch so etwas wie ein moderner Walkman - allerdings ohne Kassette, dafür aber mit Memory-Stick. Ein optischer Eingang sorgt dafür, dass die digitalen Signale wirklich ungestört ins Handy kommen, nämlich von der CD, DVD, MiniDisc oder sonstigen Digitalmedien. Bis zu zwei Stunden können so gespeichert werden. Wenn doch jemand während eines Musikstücks anrufen sollte, wird das Gespräch in den Hörer geleitet.

Nur eines fehlt noch - die Diktier- oder Gesprächsmitschnittmöglichkeit. Zwar lassen sich 20 Sekunden aufzeichnen, also eine Telefonnummer oder Adresse, doch so richtige Profis wollen mehr, eben auch mal ein ganzes Gespräch mitschneiden. Etwa 2000 Mark soll das Sony-Modell ohne Kartenvertrag kosten, und wem das zu teuer ist, kann mit den Modellen Z5 und J5 so manchen Hundertmarkschein sparen. Das Z5 ist dafür unter anderem mit integriertem Anrufbeantworter, Freissprecheinrichtung und Organizer ausgerüstet. Störend ist die noch immer vorhandene Stummelantenne.

Vielleicht verschwindet die - wie bei einigen Wettbewerbsmodellen - ebenfalls bald. Sony hat sich - was die Handy-Entwicklung und Produktion angeht - mit Ericsson auf ein Joint Venture eingelassen, mit dem das Mobiltelefongeschäft der beiden Unternehmen zusammengeführt wird.

Das schwedische Unternehmen möchte damit seine Milliarden-Verluste aus dem Endgerätegeschäft abbauen und sich vor allem dem erfolgsträchtigeren Auf- und Ausbau von Mobilfunk-Netzen widmen. Die Zusammenarbeit mit Sony bringt beiden etwas - den Schweden Zugang zur i-Mode-Technik und Sony europäische Fertigungstechniken und einfachere Marktzugänge.

Um bis dahin die eine oder andere Einheit abzutelefonieren, bedarf es keines Spielkasinos, sondern eines Handys mit entsprechendem Spieltrieb. Philips Fisio 318 ist so eins, zusätzlich mit GPRS ausgestattet, also jener Technik, die die eine schnelle Internetverbindung verspricht. Durch die InFusio-Software können eben auch Spiele heruntergeladen werden. Das klappt auch beim Modell 288. Übrigens will auch Philips seine Handy-Produktion aufgeben - und sie dann beim chinesischen Staatsunternehmen China Electronics Corporation in China als Auftragsfertigung laufen lassen.

Nokia bringt seinen Handys nun auch Flötentöne bei - mit dem Music Player, einem UKW-Radio mit eingebauter Freisprecheinrichtung. Sind Handy und Music Player kabelmäßig verbunden, kann man telefonieren, ohne unbedingt das Handy in der Hand halten zu müssen. Bluetooth, also Blauzahn heißt die Technik, mit der eine etwa 10-Meter-Entfernung funktechnisch überbrückt werden kann, eine lohnende Sache. Laut Nokia sollen bis Ende 2003 weltweit mehr als 250 Millionen Bluettoth-Geräte auf dem Markt sein. So wird diese Technik durch das Nokia-Handy 6310 unterstützt. Damit könnte ein Mobiltelefon, das WAP über Bluetooth versteht, auch als Fernbedienung genutzt werden, mit dem sich Beamer, Beleuchtung oder andere Systeme steuern ließen. Auch Spiele oder Musiktitel könnten über Bluetooth heruntergeladen werden. Wer aber nicht spielen, sondern richtig handeln will, kann sich das nächste Stichwort nach M-Commerce merken, nämlich E-Commerce. Damit kann man dann mit dem Handy bezahlen - nicht als Tauschobjekt, sondern als elektronische Geldkarte. Seien es die Fahr- oder Parkkarte, Cola oder Kino - viele Münzen ließen sich so ersetzen und eine Zusammenstellung der ausgegebenen Geldbeträge gibt es ebenfalls.

"Jede Menge Spaß" sollen drei Einsteiger-Handys von Trium ihren Nutzern bieten. Als "erstes erhältliches GSM/GPRS-fähiges PDA-Handy mit integrierten Pocket PC-Funktionen bietet die Mitsubishi-Tochter das Dualband-Handx mondial an. E-Mail- und Internet-Dienste sind beinahe schon selbstverständlich. Über uboot.com sind laut T-D1 bereits 1,4 Millionen Nutzer vereint, die sich gegenseitig Kurznachrichten und E-Mails zukommen lassen - und zwar innerhalb des Internets ebenso wie von und zu Mobiltelefonen. Alles geht dabei anonym zu - keiner muß erfahren, wer hinter einem Nickname oder einer SMS-Nummer steckt: eben die versteckte Gesellschaft.

Spaßig geht es auch bei D2 zu - der monatliche Load-A-Game-Wettbewerb verspricht zwar keine Reichtümer, aber stolze fünf Mark, falls man am Monatsende zu den 20 besten zählt. An Kurzmitteilungen verdienen die Netzbetreiber auch ganz gut. Allein über D2 wurden im vergangenen Jahr etwa 7 Milliarden davon abgesetzt. Auch hier wird nachgelegt. Als nächster Schritt steht Enhanced Messaging ins Haus. Statt der bisherigen 160-Zeichen-Meldung können auch mehrere verkettet werden - bis 640 Zeichen lang. Und für das nächste Jahr kommt Multimedia Messaging. Auf Basis von GPRS sollen farbige Bilder, Musikstücke und gar Videosequenzen übertragen werden. Ob Tagesschau oder Beachvolleyball - alles läßt sich aufs Handy übertragen, sofern es eines Tages via UMTS geschieht.

Bei D2 gab es ebenso wie bei T-D1 - einen Vorgeschmack auf diese Zeiten. Das Handy als Steuermittel für die gesamte Haustechnik - technisch möglich, aber praktisch noch nicht realisierbar. Wer freilich eine ganze Fan-Gemeinde unterhalten möchte, kann eine SMS auf die Videotext-Seiten bestimmter Fernsehsender schicken, pardon, chaten. Jede Meldung kostet 59 Pfennig - man gönnt sich ja sonst nichts.

E-plus bietet derzeit monatlich zwei kostenlose SMS-Infodienste. Wer mit E-Plus über das Fernsehen chaten will, muß je Tarif 39 oder 29 Pfennig zahlen. Weitere Funktionen sind Reiseführer, Bankschalter und Wetterdienst. Zu guter Letzt soll man mit einem Handy ja auch noch telefonieren. Falls dazu überhaupt noch Zeit bleibt.

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