Zeitung Heute : Mit neuer Energie

„Weg vom Öl“ – Minister und Industrie suchen Brückentechnologien auf dem Weg ins Wasserstoffzeitalter

Bernd Hops

Manfred Stolpe und Spitzenvertreter der Autoindustrie wollen die Abhängigkeit des Verkehrs in Deutschland vom Öl verringern. Wie könnte der Antrieb der Zukunft aussehen?

Genug Erdöl und damit Benzin für Autos wird es noch Jahrzehnte geben. Darin sind sich Experten einig. Ebenso einig waren sich aber auch Vertreter von Politik und Wirtschaft am Dienstag bei einer Veranstaltung der „Mobilitätsoffensive“ der Bundesregierung, dass das Ziel trotzdem lauten muss: „Weg vom Öl“. „97 Prozent des Verkehrs heute hängen vom Öl ab“, sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD). Angesichts der aktuell hohen Ölpreise müsse man sagen: „Unser Ölbedarf kommt uns teuer zu stehen.“ Und neben den steigenden Preisen steht der Klimawandel, so dass auch der Präsident des Verbands der europäischen Ölindustrie, Wilhelm Bonse-Geuking, sagte: „Wir sind auf Grund der Entwicklung der letzten 15 Jahre sehr besorgt.“ Doch wie kann man wegkommen von dieser Abhängigkeit? Eine einfache Lösung gibt es nicht. Vielmehr wird es in den kommenden Jahren immer neue Varianten geben. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), sagte: „Wir sollten nicht von der Abhängigkeit von einem Treibstoff zu der von einem anderen wechseln.“ Zunächst steht die Senkung des Verbrauchs der Autos im Vordergrund – durch leichtere Karosserien und die Effiziensteigerung bei den herkömmlichen Motoren. Verkehrsminister Stolpe geht davon aus, dass die Effizienz noch um bis zu 30 Prozent erhöht werden könnte.

Eine weitere Variante zur Senkung des Verbrauchs ist der Hybridmotor, bei dem ein konventioneller Verbrennungs- mit einem Elektomotor kombiniert wird. Besonders effizient ist der Hybridmotor, wenn statt eines herkömmlichen Motors eine Brennstoffzelle zum Einsatz kommt. Doch dabei handelt es sich um eine noch relativ junge Technik, deshalb ist sie bei weitem noch nicht so ausgereift wie die seit 100 Jahren immerzu verbesserten Verbrennungsmotoren.

Parallel arbeitet die Industrie an alternativen Kraftstoffen. Im Einsatz ist zum Beispiel bereits Erdgas. Das wird aber nur ein Nischenlösung bleiben, heißt es selbst bei der Ölindustrie, die eigentlich als gleichzeitig großer Gasproduzent ein Interesse an einer noch stärkeren Vermarktung dieses Treibstoffs haben müsste. Doch fällt hier die Kosten-Nutzen-Analyse nicht besonders positiv aus. Für die kommenden Jahrzehnte vielversprechender sind die so genannten Biofuels – Treibstoffe, die zum Beispiel durch die Verflüssigung von Biomasse gewonnen werden. In den nächsten 20 Jahren könnte der Anteil alternativer Kraftstoffe am Verbrauch auf 20 Prozent ansteigen, prognostiziert VDA-Präsident Gottschalk.

Aber das alles sollen nur Zwischenstationen sein. Am Ende der Entwicklungsarbeit ist ein Auto geplant, das als Abgas nur noch CO2-freien Wasserdampf von sich gibt. Als Antrieb nutzt es eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff fährt. Doch hier gibt es noch viel zu tun, auch wenn die ersten Fahrzeuge bereits im Probetrieb über deutsche Straßen fahren. Denn Wasserstoff ist nicht ungefährlich. Eine sichere Lagerung muss gewährleistet werden. Und: Wasserstoff kann nicht abgebaut, sondern muss unter Energieaufwand hergestellt werden. Auch dabei soll kein Kohlendioxid entstehen. Die einzigen Energiequellen, die sich anbieten, sind deshalb Solar- und Windenergie – die aber noch wirtschaftlich gemacht werden müssen – und die ungeliebte Atomkraft.

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