Zeitung Heute : Mit Sack und Pack nach Afrika

Immer mehr Deutsche wandern in exotische Länder aus. Sie suchen die Herausforderung in der Fremde

Henning Zander

Es sollte eigentlich nur ein Urlaub sein. Zwei Wochen hatte sich Katrin Maja Mähl Zeit genommen, um in Südafrika zu entspannen. Gerade hatte sie ihr Studium der Betriebswirtschaft in Berlin abgeschlossen und erste Arbeitserfahrungen bei Siemens gesammelt. Doch Mähl verlor ihr Herz an das Land. Sie ließ ihren Rückflug verfallen und gründete in Kapstadt ein Unternehmen. Die Intergate Immigration ist ein Service für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen Deutschland zu verlassen, um sich in Südafrika anzusiedeln. „Zu unseren Kunden gehören viele, die von Deutschland frustriert sind und hier noch einmal von vorne anfangen wollen“, sagt die 29-Jährige.

Jenseits der klassischen Auswanderungsländer wie den USA, Kanada oder Neuseeland treibt immer mehr Deutsche die Suche nach Arbeit verbunden mit einer Spur Fernweh in exotische Länder. „Der asiatische Raum ist derzeit sehr beliebt“, sagt Manuela Setnikar von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). Sie vermittelt Arbeitnehmer an ausländische Unternehmen. „Ein Schwerpunkt ist der Nahe Osten.“ In den Vereinigten Arabischen Emiraten seien beispielsweise wegen des Baubooms viele Handwerker gefragt. Gern gesehen werde ein Meisterzertifikat. „Die Fachkräfte werden in der Bauleitung eingesetzt, denn es besteht das Bestreben, sich beim Bau an deutschen Normen zu orientieren“, sagt Arbeitsvermittlerin Setnikar.

Auch die beiden jungen Wirtschaftsgiganten China und Indien bieten Möglichkeiten, sich eine neue Existenz aufzubauen. Dabei liegt ein großer Unterschied darin, ob man von einem Unternehmen entsandt wird, was mit einem deutschen Gehalt verbunden ist, oder ob man sich eine Stelle vor Ort zu einem dortigen Tarif sucht. Gesucht werden in China westliche Arbeitskräfte etwa als Englischlehrer. Dies kann ein guter Einstieg sein, um heimisch zu werden. Viele Sprachschulen sind in den vergangenen Jahren gegründet worden. Aber wer kein Mandarin spricht, hat es in China immer noch sehr schwer. Auch Indien glänzt mit guten Wirtschaftsdaten. Mit Englisch kommt man in der ehemaligen britischen Kolonie allerdings sehr gut zurecht. Große Wachtumsindustrien sind IT und Tourismus. Das Einstiegsgehalt für einen Programmierer liegt bei 500 Euro. Bei einem Durchschnittslohn von 200 Euro kann man damit in Indien sehr gut leben. Für eine soziale Absicherung in Deutschland ist es nicht ausreichend.

„Die Arbeitsverträge richten sich meist nach den Bedingungen vor Ort. Da darf man nicht zu viel erwarten“, sagt Setnikar. Die Arbeitnehmer müssten sich deshalb gut über das Land, in dem sie arbeiten wollen, informieren. Einen ersten Eindruck bekommt man auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes. Hier sind Hinweise über die politische Situation, Geschichte und Kultur zu finden. Außerdem werden Reisewarnungen für besonders gefährliche Regionen veröffentlicht. Wegen des hohen Risikos vermittelt die ZAV für solche Gebiete keine Arbeitsstellen. Wer sich für ein Leben im Ausland entscheidet und schon weiß, in welchem Land er sich niederlassen will, sollte sich bei der entsprechenden konsularischen Vertretung über Arbeitsbedingungen und Aufenthaltsbestimmungen informieren.

Der Wiederanfang in Deutschland wird nach Jahren im Ausland schwer. „Die gesammelten Erfahrungen werden vom Umfeld in Deutschland oft nicht so honoriert, wie man es sich vielleicht erhofft hat“, sagt Andreas Bittner vom Institut für Interkulturelles Management. Denn persönliche Entwicklungen wie Flexibilität oder Geduld seien wenig messbar. Besonders schwer sei es, berufliche Erfahrungen in Entwicklungsländern auf Deutschland zu übertragen. „Da herrscht bei Arbeitgebern in Deutschland immer noch Skepsis, denn oft entspricht dort das technische Know-How nicht dem deutschen.“

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