Zeitung Heute : Mit Schröder fliegen

Der Tagesspiegel

Man muss sich Gerhard Schröder als chattenden Menschen vorstellen. Rechte Hand die Maus, linke Hand die Bedienungsanleitung vom Computer, den Blick geradeaus auf die wichtigen Dinge des Lebens – die User „Svenja“, „Detlef“ oder „Annette“ im Internet. Und das alles abends, wenn die Polit-Geschäfte ruhen, nur noch Bildschirmstrahlen aus dem dunklen Wohnzimmer des Kanzleramtes dringen. Dann wüssten wir: Ja, der Regierungschef ist auch grad’ drin.

Ganz so weit ist es noch nicht, aber die Pressemitteilung der Woche klingt verheißungsvoll. „Gerhard Schröder goes Internet“ verkündet da RTL und lieferte am Donnerstag wie zum Beweis einen 20-minütigen Live-Video-Chat mit dem Kanzler. Ort des Geschehens: Schröders erneuerte Homepage, www.bundeskanzler.de . Fragensteller: RTL-Chefkorrespondent Gerhard Hofmann. Erkenntniswert: Es hat funktioniert.

Konzentriert beantwortet der Kanzler User-Fragen, die sich im Wesentlichen nicht von denen anderer Leute unterscheiden. Die Antworten auch nicht. Kölner Spendenskandal? Die Staatsanwaltschaft arbeitet. Pisa-Studie? Wir müssen alle Begabungsreserven ausschöpfen. Kampfeinsätze, Bundeswehr? Die Bundeswehr ist gut. Und so weiter. War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der fortschrittliche Kanzler ’ne eigene Homepage kriegt. Richtig amüsant ist das mit elektronischen Postkarten, virtuellem Rundgang durchs Kanzleramt und Politikerklärungen für Kids. Richtig spannend wird es aber erst bei Schröders nächster Dienstreise. Die kann man verfolgen – virtuell. meh

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