Zeitung Heute : Mit Sicherheit fliegen

Rainer W. During

Am Dienstag wird die EU voraussichtlich entscheiden, dass die Mitnahme von Flüssigkeiten in Flugzeugen verboten wird. Was darf künftig noch mit an Bord und was bringt diese Regelung für die Flugsicherheit?


Passagiere von Billigfliegern werden künftig wohl auf die Angewohnheit, die Verpflegung selbst mit an Bord zu nehmen, verzichten müssen. Die EU wird aller Voraussicht nach die Mitnahme von Flüssigkeiten und Gels in die Flugzeugkabine generell untersagen. Ein solches Verbot gilt nach den jüngst vereitelten Terroranschlägen in Großbritannien bereits an britischen Airports und bei amerikanischen Airlines. Denn die Anschläge sollten mit Flüssigsprengstoff begangen werden, auf den herkömmliche Detektoren nicht ansprechen.

Bei Bordverkaufspreisen von beispielsweise einem Euro für die Limo (Easyjet) wird den Low-Cost-Reisenden der Verzicht auf die eigenen Getränke nicht so schwer fallen. Bei den klassischen Airlines ist der Drink ohnehin im Ticketpreis inbegriffen. Und auf den Langstrecken erhalten zumindest Passagiere der Business- oder First-Class ein Sanitärkit mit Zahnbürste, Zahnpasta und oft auch einem Eau de Cologne oder Rasierwasser. Und für Duty-Free-Einkäufe wird es aller Voraussicht nach bestimmte Sonderregelungen geben.

Ob das Verbot der Flüssigkeiten und Pasten nun der Weisheit letzter Schluss ist oder wieder einmal einen blinden Aktionismus darstellt, darüber streiten selbst die Experten. So wurde kürzlich bei einer Zwischenlandung in Houston ein aus Buenos Aires kommender, junger Amerikaner festgenommen, der trotz der erneut verschärften Sicherheitsmaßnahmen für US-Fluggesellschaften eine Stange Dynamit im Gepäck hatte. Gegenüber den staunenden Beamten bezeichnete er den Sprengstoff als Souvenir seiner Arbeit in einer bolivianischen Mine. Und auf einem US-Inlandsflug wurde auf einem Sitz ein herrenloses Taschenmesser entdeckt.

Beweise dafür, das die Effektivität der Sicherheitsvorkehrungen nicht zuletzt ein menschliches Problem ist. Jede Kontrolle ist nur so gut wie die Personen, die sie durchführen. Das modernste Röntgengerät nutzt nichts, wenn der Bediener unkonzentriert oder abgelenkt ist. Deshalb fordern Fachleute immer wieder nicht nur eine fundierte Ausbildung, die längst nicht überall gewährleistet ist. Auch die Bezahlung muss der Verantwortung angemessen sein. In vielen Ländern sind die Sicherheitsbeamten auch heute noch Niedriglohnempfänger und dementsprechend demotiviert.

Schon deshalb kann es eine absolute Sicherheit nicht geben, es sei denn, der Luftverkehr beschränkt sich auf gepäckfreie Nudistenflüge. Ein Schritt fast in diese Richtung sind in den USA bereits erprobte, spezielle Röntgengeräte, die unter die Kleidung blicken und den Reisenden auf dem Bildschirm vor den Kontrolleuren nackt erscheinen lassen. Ihr Einsatz ist wegen massiver Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte allerdings heftig umstritten.

Während das aufgegebene Gepäck längst auch hundertprozentig kontrolliert wird, rückt die Luftfracht jetzt ebenfalls verstärkt in den Fokus der Sicherheitsüberlegungen. So haben DHL und Lufthansa gerade ein Abkommen zur Intensivierung ihrer Zusammenarbeit auf diesem Sektor unterzeichnet. Da Frachtgüter in der Regel über Speditionen und spezielle Luftfrachtagenten abgefertigt werden, gilt bei Stammkunden häufig das Vertrauensprinzip. Sendungen mit unbekanntem Absender werden in der Regel verschärft kontrolliert und im Verdachtsfall kommen Einzelstücke in sogenannte Unterdruckkammern, die einen barometrischen Zünder auslösen würden. Bestimmte Risikosendungen dürfen ohnehin nur an Bord spezieller Frachtflugzeuge transportiert werden.

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