Zeitung Heute : Mit Spaten und Schere

Wie sich Staudenballen teilen lassen

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Foto: Caro

Was bei Mensch und Tier allenfalls Gentechnikern gelingt, ist bei Pflanzen Alltag: die Teilung. Manche Arten teilen ihre erwachsenen Rosetten völlig aus sich heraus in zwei Exemplare. Bei anderen helfen Wind und Wasser nach, indem sie Triebe abreißen und fortschwemmen. Aber meist übernimmt der Mensch die Teilung.

Im Frühjahr, bevor der Austrieb richtig loslegt, ist die geeignete Zeit dafür. Tief sticht dann die Grabegabel in den Boden, fasst unter den Wurzelballen und hebelt ihn vorsichtig hoch. Bis zu einem Meter Umfang kann der Ballen einer Aster oder einer Sonnenbraut betragen. Als Ganzes ist er zu schwer, um ihn zu bewältigen. Daher wird er von der Mitte ausgehend in Segmente zerlegt. Dort in der Mitte ist das Geflecht alter Wurzeln ohnehin so dicht, dass junge Triebe keine Chance haben. Durch das Einstechen und Auseinanderreißen verkleinert sich der Ballen und wird immer handlicher. Kräftiges Ausschütteln der Erde macht die Strukturen der Pflanze sichtbar. Aus der wüchsigen Randzone werden etwa faustgroße Teilstücke herausgeschnitten. Überlange Wurzeln werden gestutzt, damit sie – neu gepflanzt - rasch Feinwurzeln bilden und sich verzweigen. Außerdem muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen oberirdischen Trieben und Wurzelmasse entstehen.

Unerfahrene Pflanzenfreunde setzen die Teilstücke in Erinnerung an den alten Ballen häufig zu dicht. Jedes Teilstück verhält sich aber wie eine neue, junge Pflanze. Es wird genauso kräftig wachsen und sich ausbreiten wie ein frisch beim Gärtner gekauftes Exemplar. Fünf Teilstücke pro Quadratmeter sind daher meist völlig ausreichend.

Nicht ganz so viel Kraft wie die großen Rabattenstauden, aber dafür ein wenig Fingerspitzengefühl, erfordert das Teilen von Polsterstauden. Der Spaten dient bei ihnen lediglich zum Ausgraben. Danach treten die Hände in Aktion. Während beide fest den Ballen umfassen, ertasten die Finger zwischen den Trieben behutsam die Struktur des Polsters. Sie spüren Lücken auf und vergrößern sie vorsichtig. Schließlich zeichnen sich deutlich Teilstücke ab, die nun fest umfasst und kräftig auseinander gezogen werden müssen. Wichtig ist, dass jedes Teilstück gut zusammenhält und ausreichend Wurzeln und oberirdische Triebe besitzt.

Wer seine Stauden nicht verjüngen will, sondern lediglich ein paar Schwingelpolster, einige Schafgarben-Horste oder ein bisschen Thymianteppich mehr haben möchte, der kann Risslinge abnehmen. Bei dieser wenig aufwendigen Variante der Teilung muss die Mutterpflanze nicht ausgegraben werden. Es reicht, bodennahe Triebe, die Wurzeln oder zumindest Wurzelansätze besitzen, behutsam frei zu legen und einfach von der Mutterpflanze abzureißen. Risslinge wachsen am besten erst ein paar Wochen im Topf, bevor sie ausgepflanzt werden. Neben den Gartenstauden lassen sich auch Zimmer- und Kübelpflanzen wie Dieffenbachie oder Zantedeschie bequem über Risslinge vermehren. dpa/Tsp

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