Mit Spenden helfen : Vertrauen ist besser

Helfen tut gut. Wer anderen gibt, nützt nicht nur denen, die in Not sind. Der Dienst am Nächsten ist ein Ehrenamt im reinen Wortsinn, nicht nur für hunderttausende Deutsche, die soziale Arbeit unentgeltlich leisten, sondern auch für die, die in Hilfsorganisationen, gemeinnützigen Vereinen oder karitativen Einrichtungen berufstätig sind. Und weil solcher Dienst alle Ehre wert ist, lohnt ihn die Gesellschaft mit hoher Anerkennung, mit Respekt – und einem großen Maß an Vertrauen.

Wer Gutes tut, hilft sich selbst. Weil Menschlichkeit ein gutes Gefühl erzeugt. Das erhöht die Bereitschaft so vieler Menschen, das Netz der Hilfe, wenn auch nicht immer mit eigener Tatkraft, so doch mit großzügigen Spenden zu unterstützen. Das tut not, mehr denn je unter dem Kostendruck eines Sozialstaats, der sich nicht mehr jede Mildtätigkeit leisten will. Und es tut gut, so lange die Spender darauf vertrauen können, dass ihr Geld wirklich dort ankommt, wo die Hilfe nötig ist. Denn nur die Gewissheit, das Elend der Welt wenigstens etwas gemildert zu haben, erleichtert das Gewissen. Mindestens diesen Lohn durften mildtätige Bürger neben der steuerabzugsfähigen Spendenquittung erwarten.

Doch diese Gewissheit ist nachhaltig erschüttert. Schuld daran sind nicht allein die Affäre um den „Sozial-Maserati“ der Berliner Treberhilfe und das Topmanagergehalt ihres Vormannes oder der rätselhafte Verbleib des Preisgeldes der Quizshow „Wer wird Millionär“, das Alice Schwarzer an die Hilfsorganisation „Hatun und Can“ überweisen ließ. Auch die Missbrauchsfälle durch Geistliche und Pädagogen mehren die Zweifel daran, dass in Einrichtungen mit hoher sozialer Verantwortung – ob es Kirchen sind oder Schulen – das Wohlergehen der Schutzbedürftigen Priorität hat. Dass Verantwortliche die Taten vertuschten und damit die Täter deckten, spricht dagegen und hat dem Vertrauen in karitative Institutionen insgesamt Schaden zugefügt.

Hilfe braucht Vertrauen. Das gilt im Altenheim, im Sportverein und im Internat. Es gilt ebenso im Verhältnis zwischen Spender und Hilfsorganisation – wie auch zwischen dem Staat und den sozialen Trägern, denen Steuergeld für eine Vielzahl von Aufgaben von der Erziehungshilfe, der Arbeitslosenfortbildung bis zur Behindertenbetreuung anvertraut wird. Allein das Land Berlin gibt jährlich rund 2,3 Milliarden Euro für soziale Dienstleistungen aus. Eine vollständige Kontrolle darüber, wofür jeder einzelne Euro ausgegeben wird, würde ein bürokratisches Monster schaffen, das einen großen Teil dieses Geldes wieder verschlingen würde. Auch private Spender legen Wert darauf, dass ihr Geld möglichst ohne großen Reibungsverlust durch Verwaltungskosten das Ziel erreicht. Je mehr Instanzen mitverdienen, desto kleiner fällt am Ende der Betrag aus, der dem guten Zweck dienen soll.

Vertrauen ist ein flüchtiges Kapital. 2,1 Milliarden Euro spendeten die Deutschen im vergangenen Jahr für mildtätige Zwecke, drei Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Die Maserati-Nummer der Treberhilfe mag vergessen sein, wenn die Herzen im nächsten Advent wieder milde gestimmt sind. Aber die Gefahr ist groß, dass die Spendenbilanz nach diesem Jahr noch etwas magerer ausfallen könnte. Das beschädigte Vertrauen zu reparieren, dazu bedarf es nicht nur Transparenz im System der Hilfe, dazu gehört auch, dass soziale Unternehmen den Anspruch ihrer karitativen, uneigennützigen Arbeit glaubhaft vermitteln. Am besten funktioniert das mit vorbildhaftem Verhalten.

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