Zeitung Heute : Mit vollem Einsatz

Lange Nächte, redselige Kunden und ein Lächeln, das für allen Stress entschädigt: Vier Azubis erzählen von ihrer Arbeit.

„An langen Tagen bleibe ich auch mal bis zwei, drei Uhr früh.“

Jannina Tiba, 26, aus Neukölln, ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Restaurantfachfrau:

„Ich hatte nie besonders viel Spaß an Schule. Deshalb habe ich nach der Mittleren Reife erst mal keine Ausbildung gemacht. Ich habe im gastronomischen Bereich gejobbt, im Catering, in Restaurants und Bars. Die Kunden zufriedenstellen, das macht mir Spaß.

Dann habe ich mich doch zur Ausbildung überwunden und gemerkt, dass Berufsschule viel besser ist als ich dachte. Der Unterricht ist freier und wir arbeiten in Teams. Alle wollen in die gleiche Richtung. Die Ausbildung mache ich im Marriott-Hotel, weil die Arbeit im Hotel abwechslungsreich ist. Mal bin ich für ein paar Monate im Restaurant, dann im Bankett, in der Lobby, in der Bar. Am meisten mag ich das Restaurant. Ich rede gerne und finde es toll, die Gäste zu beraten. Natürlich muss man sich nach ihnen richten, manche wollen vielleicht noch nicht bestellen, es wollen auch nicht alle etwas über den Wein erfahren. Ich merke das an ihrer Mimik und Ausdrucksweise. In meiner Ausbildung habe ich auch gelernt, nicht mehr so vorlaut zu sein.

Der bisher beste Moment im Restaurant war Silvester. Um Punkt zwölf Uhr haben wir den Gästen Champagner angeboten und sind dann zum Feuerwerk rausgegangen. Das Team ist wie eine Familie. Oft müssen wir gar nicht reden, ein Blick reicht und der andere weiß, was zu tun ist. Wenn ein Tag richtig lange dauert, dann bleibe ich auch mal bis zwei, drei Uhr früh. Das muss einem bewusst sein: Wenn Freunde und Familie Freizeit haben, bin ich oft am Arbeiten, auch an Feiertagen und am Wochenende. Aber mich stört das nicht.“

„Eigentlich rede ich den ganzen Tag – das muss man mögen.“

Dennis Fiebig, 20, aus Alt-Mariendorf, ist im dritten Ausbildungsjahr zum Kaufmann für Bürokommunikation:

„Ich mache meine Ausbildung im Unternehmen meines Vaters, im Weinhaus Vierbücher in Köpenick. Obwohl ich das Weinhaus später übernehmen möchte, wollte ich den Arbeitsalltag eigentlich zunächst in einem anderen Betrieb kennenlernen. Nach der Mittleren Reife habe ich eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann begonnen. Doch es gab Probleme mit der Chefin – nach eineinhalb Jahren wurde ich regelrecht rausgemobbt.

Um die Zeit nicht zu verlieren, habe ich bei meinem Vater die Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation begonnen. Die ersten eineinhalb Jahre konnte ich mir anrechnen lassen, denn die Ausbildungen sind nicht so verschieden.

Was man sich vorher klar machen sollte: Etwa zwei Drittel der jetzigen Ausbildung verbringe ich am Telefon und am Computer. Das mag nicht jeder. Am meisten Spaß machen mir die Kundengespräche. Am Anfang kommt ein bisschen Smalltalk, damit der Kunde sich aufgehoben fühlt. Bei Stammkunden merke ich mir, was den Kunden interessiert und worüber wir das letzte Mal gesprochen haben. Wenn ich ein Gespräch vor Ort habe, schaue ich mich in der Wohnung um, da gibt es oft Anhaltspunkte zu möglichen Themen. Neulich saß ich bis neun Uhr abends bei einem Kunden zu Hause. Er ist Kfz-Mechaniker und ich bin ein echter Autofreak, da hatten wir uns viel zu erzählen.

Eigentlich rede ich den ganzen Tag. Deshalb möchte ich am Feierabend meistens nur still sein. Meine Freundin hat das inzwischen akzeptiert. Dafür mache ich am Wochenende jetzt oft Spaziergänge, für den Ausgleich zur Arbeit am Schreibtisch.“

„Der Beruf ist schwer – was ich zurückbekomme ist Dankbarkeit.“

Rebekka Hofmann, 17, aus Teltow, ist im ersten Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin:

„Wir werden alle irgendwann alt. Deshalb habe ich mich schon nach meiner Mittleren Reife für ein Jahr Bundesfreiwilligendienst in der Altenpflege entschieden. Ich habe es in einem Seniorenpflegeheim in Lankwitz geleistet. Als das Jahr vorbei war, wurde mir ein Ausbildungsplatz angeboten.

Ich finde den Unterricht toll, denn hier lerne ich auch theoretisch, was ich praktisch schon die ganze Zeit umsetze. Jetzt weiß ich: Wieso ist Trinken so wichtig? Warum sollte man die Beine hochlagern? Dieses Wissen und Kenntnisse über Krankheitsbilder interessieren mich sehr, denn so kann ich Bewohnern und Angehörigen alles erklären. Überhaupt ist Kommunikation das Wichtigste in meinem Beruf. Die Arbeit hat mir viele Wege gezeigt, mit Menschen umzugehen, sei es mit Bewohnern, Angehörigen, Kollegen oder mit Menschen, die im Sterben liegen.

Den Beruf kann man eigentlich nur ausüben, wenn man den nötigen Enthusiasmus mitbringt. Es ist körperlich sehr anstrengend, man muss mit Überstunden rechnen, psychischen Belastungen und natürlich mit dem Schichtdienst. Was ich zurückbekomme ist Freude und Dankbarkeit.

Der schönste Moment war, als ich mir trotz eines sehr stressigen Tages einmal fünf Minuten für eine demente Bewohnerin genommen habe. Sie hat sich nur noch über ihre Mimik mitgeteilt. Ich habe mit ihr geredet und ihre Hand gehalten und auf einmal hat sie mich angelächelt und danke gesagt. Erst bin ich erschrocken, ihre Stimme zu hören. Doch dann wurde mir klar: Sie hat mich für einen Moment wahrgenommen. Das motiviert einen auch für die anstrengenderen Tage.“

„Im dualen Studium habe ich beides: Theorie und Praxis.“

Daniel Kreklau, 28, aus Reinickendorf, ist im siebten Semester des dualen Studiengangs Betriebswirtschaftslehre:

„Zu meinem dualen Studium bin ich über einen Umweg gekommen. Nach dem Abitur habe ich erst ein Studium der Wirtschaftswissenschaften begonnen. Nach einem Semester war mir das dort jedoch zu viel Theorie. Ich wollte ein Unternehmen direkt kennenlernen. Also habe ich eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann gemacht, bei der Firma Infopark in Mariendorf, die Webseiten für Unternehmen baut. Danach wurde ich übernommen und habe ein halbes Jahr lang beim Planen von Webseiten für Großunternehmen geholfen, auch für Unis.

Dabei habe ich gemerkt, dass mir die Ausbildung nicht reicht. Ich wollte mehr betriebswirtschaftliches Wissen und mehr Verständnis für die Kunden haben. Im dualen BWL-Studium an der Beuth Hochschule habe ich beides: die Theorie und die Praxis. Wir haben verkürzte Semester, an deren Ende zehn Wochen Betriebsarbeit stehen. Die mache ich in meinem damaligen Ausbildungsbetrieb. Es ist toll, dass ich dadurch den Kontakt zum Unternehmen nicht verliere. Schließlich ist die Internetbranche sehr schnelllebig.

Im Studium setzen wir außerdem Projekte mit verschiedenen Unternehmen um, mit direktem Kontakt zum Kunden. Einer hat nach einer Präsentation gesagt, wir wären auf dem Niveau einer Unternehmensberatung gewesen. Das war ein tolles Erfolgserlebnis. Ich würde auch weiterhin gerne an solchen Projekten arbeiten. Es wird nie langweilig; im Internet gibt es ständig neue Herausforderungen.“ Protokolle: Franziska Felber

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