Zeitung Heute : Mit wenig Geld viel bewegen

Wie man mit Optionsscheinen in Europa und Amerika Gewinne machen kann, auch wenn der „innere Wert“ der Aktie gleich null ist

Udo Rettberg

Optionen erobern die Finanzwelt. Der Duden definiert den Begriff „Option“ als ein Entscheidungsrecht. In der Sprache der Finanzwelt beinhalten Optionen für ihren Käufer ein Recht und für ihren Verkäufer eine Verpflichtung. Grundsätzlich wird bei Optionen unterschieden in Kaufoptionen (Calls) und Verkaufsoptionen (Puts). Der Käufer einer Kaufoption hat zum Beispiel das Recht, vom Verkäufer des Calls die Lieferung eines dem Optionskontrakt zugrunde liegenden Wert (zum Beispiel einer Aktie) zu einem zuvor vereinbarten Preis in einer zuvor festgelegten Menge zu verlangen. Und dies innerhalb eines zuvor vereinbarten Zeitraums oder zu einem bestimmten Zeitpunkt. Als Gegenleistung für das Einräumen dieses Rechts zahlt der Käufer der Option dem Verkäufer der Option eine Prämie.

Für Spekulanten und Anleger

Optionen haben vor allem drei Anwendungszwecke: Sie dienen zur Spekulation, zur Kurssicherung und zur Arbitrage (Ausnutzung von Kursdifferenzen). Die Literatur unterscheidet bei den Nutzern von Optionen in Spekulanten und in Anleger. Als Spekulanten werden jene kurzfristig agierenden Anleger bezeichnet, die kein wirkliches Interesse an der Aktie haben, die dem Optionskontrakt zugrunde liegt. Spekulanten wollen den Hebelwert der Option (sie zahlen als Optionsprämie zwischen zehn Prozent und 20 Prozent des Aktienwertes, haben jedoch das Recht, den gesamten Aktienwert „zu bewegen und zu kontrollieren“), um allein von einer Kursbewegung der Aktie zu profitieren. Diese Kursbewegung der Aktie schlägt sich entsprechend im Wert der Option nieder.

Anleger nutzen Optionen dagegen auf vielfältige Art und Weise. So können sie sich durch den Kauf von Optionen das Recht auf Erwerb einer von ihnen favorisierten Aktie sichern. Auf der anderen Seite haben sie auch die Chance, ihr Kursrisiko in der betreffenden Aktie durch den Verkauf von Optionen abzusichern und durch die Vereinnahmung der Optionsprämie zugleich Einkommen zu generieren, mit dem sie ihr Gesamtergebnis verbessern können.

Bezüglich des Zeitpunktes, zu dem Optionsrechte ausgeübt oder geltend gemacht werden können, gibt es zwei Arten von Optionen. Bei den so genannten „europäischen Optionen“ kann der Optionskäufer sein Recht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ausüben. In den meisten Fällen ist dies der Verfallstag der Option. Das bedeutet indes nicht, dass der Käufer einer Kaufoption seine Option nicht während der gesamten Laufzeit an der Börse wieder verkaufen kann.

„Amerikanische Option“

Häufiger als die „europäische Option“ ist die „amerikanische Option“. Hierbei kann der Optionskäufer sein Recht jederzeit während der gesamten Laufzeit der Option ausüben. Er hat auch hier – wie bei der „europäischen Option“ – die Möglichkeit, seine Option während der gesamten Laufzeit an der Terminbörse zu verkaufen.

Die Optionsprämie, die der Käufer einer Option an den Verkäufer zahlt, kann in zwei Elemente aufgeteilt werden: in den „inneren Wert“ und den „Zeitwert“. Der im Angelsächsischen auch als „intrinsic value“ bezeichnete innere Wert errechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs und dem bei Abschluss der Option zwischen Käufer und Verkäufer vereinbarten Basispreis. Der Zeitwert einer Option (in der angelsächsischen Literatur als „extrinsic value“ bezeichnet) bestimmt sich vor allem aus der Wahrscheinlichkeit künftiger Kursveränderungen der Aktie.

Eine Option wird in der Regel stets über ihrem inneren Wert notieren. Auch wenn der innere Wert gleich null ist – eine unmittelbare Ausübung des Optionsrechts für den Optionskäufer also nur mit Verlusten verbunden wäre – wird der Marktwert der Option positiv sein, so lange diese noch eine Restlaufzeit aufweist.

Wenn die Aktie „im Geld“ liegt

Der Preis einer Option bestimmt sich unter anderem durch die Differenz zwischen dem aktuellen Tageskurs einer Aktie und dem Basispreis (Ausübungspreis). Ist der aktuelle Tageskurs einer Aktie unter dem Basispreis, spricht man von einer „im Geld“ liegenden Kaufoption. Stimmen Aktienkurs und Basispreis überein, ist es eine „am Geld“ liegende Kaufoption. Liegt der Basispreis über dem Aktienkurs, spricht man von einer „aus dem Geld“ liegenden Kaufoption. Bei Kaufoptionen „am Geld“ und „aus dem Geld“ ist der innere Wert also gleich null. Die Optionsprämie besteht in diesem Fall also lediglich aus dem Zeitwert der Option. Umgekehrt ist die Situation bei Verkaufsoptionen, die sich „im Geld“ befinden, wenn der Basispreis über dem Aktienkurs liegt. Von einer „aus dem Geld“ liegenden Verkaufsoption spricht man dann, wenn der Basispreis deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs liegt.

Einiges zur Geschichte der Option: In der New Yorker Wall Street handelten Marktteilnehmer auf wenig regulierten und organisierten Märkten bereits im Jahr 1875 die ersten frei ausgehandelten Optionen auf Wertpapiere. Eine Standardisierung der Optionskontrakte und damit die Möglichkeit der Übertragung der Option erfolgte dann im Jahr 1973, als die Chicago Board Options Exchange (CBOE) gegründet wurde. Diese Idee wurde dann mit der Gründung der European Options Exchange (EOE) auch in Europa aufgenommen.

Die Schweizer Soffex und die Deutsche Terminbörse – Vorgängerin der Eurex – brachten Optionen in den Jahren 1988 und 1990 nach Kontinentaleuropa. Die Eurex ist die weltweit größte Derivatebörse.

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