Zeitung Heute : Mitarbeiter von Herlitz voller Optimismus

Der Tagesspiegel

„Wir sind froher Hoffnung und geben nicht auf“, sagte eine Herlitz-Mitarbeiterin gestern nach der Betriebsversammlung in der Tegeler Firmenzentrale. Zuvor hatten Insolvenzverwalter Peter Leonhardt und Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor circa 1000 Beschäftigten gesprochen. Der Politiker gab sich anschließend optimistisch, dass ein Großteil der Arbeitsplätze gesichert werden kann. Angaben darüber, wie viele der insgesamt rund 3000 Jobs wegfallen müssen, wurden trotz Nachfragen aus der Belegschaft nicht beantwortet.

Der Betriebsratsvorsitzende Christian Petsch sieht „enorme Chancen für die Zukunft“. Am Vortag hatte das Bankenkonsortium, das 70 Prozent der Herlitz-Anteile hält, einem 15-Millionen-Euro-Kredit zugestimmt, mit dem das operative Geschäft des insolventen Unternehmens weitergeführt werden kann. Man habe Gysi und Leonhardt deutlich machen können, dass die Belegschaft „wie eine Eins“ zum Unternehmen steht, sagte Petsch. Es gehe jetzt um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit. Dennoch habe es auf Seiten der Mitarbeiter Kritik an „der ungerechten Teilung von Verantwortung und Verantwortlichkeit“ gegeben, erklärte Senator Gysi. Wie schon bei der Bankgesellschaft müssten auch hier diejenigen, die frühere Fehlentscheidungen zu verantworten haben, nicht persönlich haften.

Anfang Juli soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Gregor Gysi will dabei auf die Gläubiger einwirken, in einem allgemeinem Vergleich auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Ferner sei eine Unterstützung durch den Senat denkbar beispielsweise in Form des Verzichts auf Erbbaupachtzinsen oder mit Investitionshilfen für einen eventuellen Käufer. Hätten die Banken gleich so reagiert, wäre das Verfahren einfacher gewesen, sagte der Senator. Die Geldinstitute als Mehrheitseigner könnten nicht erwarten, dass die Steuerzahler – wie zunächst gefordert – 80 Prozent des Risikos übernehmen.

Das Insolvenzverfahren mache es leichter, Entscheidungen aus der Vergangenheit zu korrigieren, so Gysi. Das „gesunde Schreibwarenherstellungsunternehmen“ könne sich tragen und einen Käufer finden oder von den jetzigen Eigentümern weiter geführt werden. „Das Produkt läuft und wird verkauft“. Dafür gab es Applaus für den Senator und den Insolvenzverwalter. „Der Gysi ist ein toller Mann und der Leonhardt auch“, schwärmte eine Mitarbeiterin nach der Versammlung. „Wir sind ein bisschen aufgebaut worden und bemühen uns, es positiv zu sehen“, meinte ein Kollege. „Ich bin zuversichtlich, Herlitz ist eine starke Marke“, so ein anderer Beschäftigter. „Vorläufig habe ich keine Sorge um meinen Arbeitsplatz“, sagte ein weiteres Belegschaftsmitglied. Von „Hoffnung“ und „Optimismus“ war bei den Herlitzern die Rede, sowie von „einem Schritt in der richtigen Richtung“. Nur ein Mann meinte: „Gysi ist ein Sprücheklopfer.“du-

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