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Stanislaw Kubicki gilt als Leitfigur des Posener Expressionismus

Stanislaw Kubicki – Maler, Grafiker, Dichter, Philosoph, Übersetzer und Publizist – gehört zu den bedeutenden Vertretern der polnischen und modernen Kunst und Literatur. Geboren 1889 in Ziegenhain in Hessen, besuchte er von 1910 an die Königliche Kunstschule in Berlin, war Soldat im Ersten Weltkrieg und heiratete noch während des Krieges die Künstlerin und Kunsterzieherin Margarete Schuster.

In Polen machte sich Kubicki als Leitfigur des sogenannten Posener Expressionismus, insbesondere der dortigen Künstlergruppe „Bunt“, einen Namen. Wie Lidia Gluchowska in dem Begleitbuch zur laufenden Ausstellung schreibt, gilt Kubicki als „erster polnischer Vertreter der geometrischen Abstraktion, der in seinem bahnbrechenden Werk mit den großen metaphysischen Systemen des 20. Jahrhunderts – Malewitschs Suprematismus und Mondrians Neoplastizismus – den Dialog aufnahm. Von den Posener Avantgardisten war er auch am längsten mit Berlin verbunden. In den Jahren 1918–1921 verfasste er seine Dichtung nicht nur auf Polnisch, sondern auch auf Deutsch, was als praktische Umsetzung vom Programm des avantgardistischen Internationalismus gelten kann“.

Mit seiner Frau wirkte er als Kulturvermittler zwischen Posen und Berlin. In ihrem Atelier in der Herderstraße empfingen sie regelmäßig Besuch von radikal gesinnten Schauspielern des Piscator-Theaters oder von Künstlern wie Otto Krischner oder Max Schwimmer.

Aber auch die Schrifsteller Carl Zuckmayer und Johannes R. Becher gehörten zu den Besuchern, ebenso George Grosz, Else Lasker-Schüler, Marc Chagall oder Alfred Döblin. Für die Erforschung des bildnerischen Werkes Stanislaw Kubickis seien vor allem die Arbeiten von Jerzy Malinowski wichtig, meint Lidia Gluchowska. Er hob Kubickis Einfluss auf die Künstler der polnischen und jüdischen Avantgarde hervor, und erinnerte auch an seine Rolle als Mitbegründer der Künstlergemeinschaften „Die Kommune“ und der „Rheinischen Progressiven“. Die nationalsozialistische Machtübernahme machte der Avantgarde ein Ende. Kubicki ging, nach Hausdurchsuchungen durch die SA, nach Polen, wo er 1943 starb. W.H.

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