Mobil : Die Spätkommer

Jahrelang haben Peugeot und Citroen das Geschäft mit den SUVs den anderen überlassen. Jetzt ziehen sie nach – mit Zwillingen.

Stefan Robert Weissenborn Kai Kolwitz

Ein bisschen ist es so wie mit dem Raider und dem Twix. Oder anders: Es war einmal ein Autokonzern, dem konnte man eigentlich nicht vorwerfen, dass er regelmäßig Technik- und Karosserietrends verschlafen würde. Aber diesmal war es so: Während die Zulassungszahlen der Sports Utility Vehicles (SUV) allüberall explodierten, da herrschte bei PSA, Mutter der französischen Marken Peugeot und Citroen vor allem eins: Ruhe. Diese Mode überlasse man anderen, hieß es jahrelang in den offiziellen Verlautbarungen.

Doch die Marktanteile der klobigen Salon-Offroader stiegen und stiegen immer weiter – so lange, bis man auch bei den beiden Marken einsah, dass man mit dem Verzicht eine Menge Geld auf dem Feldweg liegen ließ. Doch was tun? Eine komplette Eigenentwicklung wäre teuer gekommen und hätte außerdem so viel Zeit verschlungen, dass die Mode bis zur Präsentation schon längst wieder abgeebbt hätte sein können. Fündig wurden Peugeot und Citroen bei Mitsubishi: Mit dem Outlander hatte der japanische Hersteller ein SUV im Programm, das von Größe und Rahmendaten genau in die Zielgruppe zu passen schien – und sich mit ein wenig Schminke sicher auch mit Löwen- oder Doppelwinkel-Logo gut machen würde. Ein bisschen Produktionskapazität gab es für die Franzosen in Japan auch noch, so dass 4007 und C-Crosser nun neben dem Original vom Band laufen.

Optisch lassen sich die beiden Neuen vom Original vor allem an der Front unterscheiden: Während Peugeot hier mit markantem Löwenlogo und großem aggressiven Haifischgrill Akzente setzt, präsentiert der Citroen immer noch bullige, aber doch dezentere Form: Zwei Chromstangen mit eingearbeitetem Doppelwinkel über dem Kühlergrill und eine dritte Leiste als unterer Abschluss der Stoßstange wirken edler, aber auch ein bisschen gemütlicher als die Peugeot-Variante.

Doch auch in Sachen Technik haben Peugeot und Citroen Akzente gesetzt. Im Gegensatz zum Mitsubishi, der mit einem bei VW zugekauften Pumpe-Düse-Diesel mit 140 PS auskommen muss, verfügen C-Crosser und 4007 über den bereits aus anderen Konzernmodellen bekannten 156-PS-starken HDi 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel mit variablem Abgasturbolader und Rußfilter, den interessanterweise auch Mitsubishi parallel zum Wolfsburger Diesel in Zukunft anbieten will. Für November hat Peugeot zudem auch einen 2,4-Liter-Benziner mit 170 PS angekündigt, den man vom japanischen Original übernehmen wird. Eventuell wird dieser auch dem Citroen zugute kommen. Außerdem reklamiert Peugeot noch Abstimmungsarbeiten an Fahrwerk und Lenkung für sich.

Doch mit dem zurzeit noch einzigen Antrieb in 4007 und C-Crosser vorlieb zunehmen, heißt, gelegentlich Kompromisse einzugehen. Leicht rau springt der Motor an. An dem hörbaren Auftreten ändert sich auch nach dem Warmfahren nicht viel. An der Durchzugskraft lässt sich hingegen nichts bemängeln, dem maximalen Drehmoment von 380 Newtonmetern sei dank. Die Elastizität des Aggregats könnte besser sein, obwohl Citroen verlauten lässt „man kann schaltfaul unterwegs sein“. Weitere Kritikpunkte sind die manuelle 6-Gang-Schaltung selbst sowie die Straßenlage. Der Schaltknauf gleitet alles andere als geschmeidig durch die zu langen Gassen, und auch der ganze Wagen macht zumindest in scharf gefahrenen Kurven keinen eleganteren Eindruck. Was dem Citroen-Käufer als typisch französisch komfortables Fahrwerk ausgelegt werden kann und als „gute Mischung aus Komfort und Dynamik“ verkauft wird, wird dem Nörgler als schwammig vorkommen, zumal die recht indirekte Lenkung keinen besseren Draht zur Straße herstellt.

Preislich liegen die französischen Abkömmlinge dabei über dem Mitsubishi: Während der mit VW-Diesel für knapp 29 000 Euro zum Käufer rollt, will Citroen bei besserer Ausstattung mindestens 33 590 Euro für den bereits verfügbaren C-Crosser. Peugeot bietet den 4007 als Diesel von September an ab 31 990 Euro an, dann allerdings nur mit fünf Sitzen. Der Benziner soll mit 29 590 sogar leicht unter der 30 000-Euro-Grenze liegen.

Eine gute Figur machen C-Crosser und 4007 im Innenraum. Im weitgehend von Mitsubishi übernommenen Interieur wird die gute Verarbeitung nur durch die derzeit so oft verbauten Plastikapplikationen Lügen gestraft. Ansonsten sitzen alle Knöpfe am rechten Platz – bis auf die für die Sitzheizung: Sie verbergen sich seitlich des Gestühls schon fast unter selbigem. Das Lenkrad ist griffig, das Brillenfach im Dachhimmel praktisch, wie auch der Kofferraum, der bei Bedarf Platz für die Passagiere Nummer 6 und 7 bietet. Die dritte Sitzbank kann aus dem Ladeboden hervorgezaubert werden. Ziemlich originell verhält sich die ansonsten in Längsrichtung verschiebbare Fondbank beim Einklappen. Nicht auf den ersten Blick, aber einige Momente nach dem ein Knopf im geräumigen Kofferraum gedrückt wurde: Zunächst passiert nichts, und dann plötzlich klappt die linke Rückbankhälfte mit Schwung zusammen. Das Spiel auf der rechten Seite wiederholt, ist das Ladevolumen von 441 auf 1686 Liter erweitert. Raffiniert kommt die zweigeteilte Heckklappe daher, deren unterer Teil abgeklappt als Sitzbank dient und die Ladekante auf niedrige Höhe drückt. Großgewachsene müssen kraft der Konstruktion dabei allerdings ein bisschen auf ihren Kopf aufpassen. Und, das muss man auch sagen: Mit anderen, selbst designten Modellen hat vor allem Peugeot die Messlatte in Sachen Innenraumgestaltung sehr hoch gelegt – ein Hauch von Japan lässt sich den französischen Mitsubishi-Derivaten nicht absprechen.

Nicht ganz so gedrückt werden wie die Kofferklappe kann der Verbrauch. Während der Fahrt unter ausgeglichenen Bedingungen pendelt sich die Anzeige zwischen den tief vergrabenen Rundinstrumenten zwischen neun und elf Litern ein. Das ist ein passabler Wert, aber der Hersteller gibt gut sieben Liter an. Allerdings zugegeben – wir waren mit dem durstigeren Allradantrieb unterwegs, der das Drehmoment variabel auf die Achsen zu verteilen vermag. Alternativ wäre es auch möglich, C-Crosser und 4007 mit reinem Frontantrieb zu bewegen – ein Drehregler in der Mittelkonsole genügt.

Brutale Offroader für ganz schweres Gelände sind die Zwillinge allerdings nicht, wie fast alle anderen SUVs auch. Aber das hätte wohl auch niemand erwartet. Zwar schlagen sich 4007 und C-Crosser auf schlammigen, unebenen Waldwegen auch bei höherem Tempo gut, doch schon die weit unter den Wagen gezogenen lackierten Stoßfänger signalisieren dem Neuwagenkäufer: Vorsicht, Kratzer und Steinschläge drohen der makellosen Optik. Dafür lugt ein wenig vom Unterboden nach außen, als wolle der Wagen sagen: „Ich bin geländetauglich, aber nur ein bisschen!“ Als Softroader wird er seinem Anspruch dafür voll gerecht – und das betrifft nicht nur das französisch-weiche Fahrverhalten.

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