Zeitung Heute : Mobile Selbstdarstellung

Vom Kamerahandy direkt auf die Internet-Seite

Nils Gründel

Moblogs stehen, auch wenn man es zunächst kaum glauben mag, nicht für Mobbing, sondern für „mobile blogs“, also für Internet-Tagebücher, die man nun auch von unterwegs mit neuen Inhalten füttern kann. Diese neue Form, schnell und direkt Informationen ins Internet zu setzen, gelangte vor allem während des Irak-Krieges zu großer Popularität. Doch nicht nur im Politischen, sondern auch im Privaten existieren inzwischen tausende von Blogger-Seiten, nun eben auch als mobile Varianten. Die ersten textbasierten Moblogs kamen bereits vor rund zwei Jahren auf. So hatte der Internet-Dienstleister Ubique ( www.ubique.ch /wapblogger) ein Blogger-Tool für WAP-Handys entwickelt. Weil aber kaum jemand die WAP- Schnittstelle seines Mobiltelefons je genutzt hat, war das etwas für wenige hartgesottene Internet-Freaks. WAP-Blogs werden zwar noch genutzt, sehen aber eher spartanisch aus, was nicht nur an fehlenden Bildern, sondern vor allem an der Kürze des Textes liegt.

Inzwischen sind aber Kamera-Handys auf dem Vormarsch und damit finden auch bebilderte Web-Tagebücher immer mehr Anhänger. Neue Bilder sind – wie die Werbung der Handyhersteller suggeriert – schnell gemacht und beinahe ebenso schnell per Knopfdruck verschickt. Der irische Software-Hersteller Newbay ( www.newbay.com ) empfiehlt Mobilfunkfirmen seine Software „Foneblog“ als Killer-Applikation für neue Mobilfunkdienste. Paddy Holahan, Chef von Newbay: „Über das Mobiltelefon aus können Bilder, Text und Töne einer eigenen Website hinzugefügt werden. Die Telefonnutzer können so ihre Meinungen, Bilder und Ideen über das Internet tauschen. Beschränkt werden die Möglichkeiten nur noch durch die Vorstellungskraft der Anwender.“

Fraglich ist jedoch, inwiefern diese neuen Bloggerdienste ernsthafte Tagebuchschreiber ansprechen können, denn irgendwie sehen die Seiten bestenfalls so aus wie Mickey- Maus für Erwachsene. Zahlreiche Moblogs finden sich bei „Mobile Photo Blogging“ ( www.phlog.net ). Dort verkündet Alan der interessierten Menschheit, dass er noch niemals zuvor so viele Menschen hat Bücher kaufen sehen, und zwar immer das gleiche Buch. Der aufgeregte Alan schließt sich sogleich dem Herdentrieb an, kauft ebenfalls den neuen „Harry Potter“-Band und zieht sich zum Lesen zurück. Andere Moblogs beschränken sich weitgehend auf Bilder von Freunden bei Partys und kurze Textnachrichten auf dem Weg durchs Leben. Allerdings stellt sich die Frage: Wen interessiert das?

Doch nicht immer werden Fotohandys nur zum Spaß eingesetzt. Amateure berichten mitunter auch in Echtzeit von Demonstrationen und versuchen so beispielsweise Übergriffe der Polizei zu verhindern oder zumindest zu dokumentieren.

Mehr zum Thema:

www.netzkritik.de /art/110.shtml

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