Zeitung Heute : Mode mit Aha-Momenten

Maria Rasmusson ist keine Designerin, sondern „Kleidungsformgeberin“

Maren Sauer

Schon beim ersten Blick in ihr Ladenatelier namens „Stoffaffären“ im Alten Textilkaufhaus in Friedrichshain ist klar: Maria Rasmusson liebt den Look der dreißiger und vierziger Jahre, das Meer und Schweden, ihre Heimat. Vor allem aber mag sie es, bestimmte Stilelemente ihrer Vorlieben miteinander zu kombinieren, und dieser Spaß am Überraschenden zeigt sich unübersehbar in ihrer Mode.

Mal kommt er subtil daher, weil den so genannten Recycling-Modellen, die einen Teil des Angebots ausmachen, nicht anzusehen ist, dass das Material einst Tischdecke oder Vorhangschal war. Meist jedoch äußert sich Maria Rasmussons Lust, für Aha-Momente zu sorgen, plakativer: in Form verschiedenfarbiger Bündchen an Halsausschnitten und Ärmeln oder pfiffig gesetzter Applikationen, als bunt gekettelte, sichtbare Saumkante oder als waghalsiger und dennoch aparter Materialmix.

„Die einzige Vorgabe beim Entwurf ist, dass die Sachen für Frauen und Männer tragbar sein müssen“, sagt die 35-Jährige. Sie nennt sich bewusst nicht Designerin, sondern „Bekleidungsformgeberin“ und spiegelt damit wider, was auch ihren Kundinnen und Kunden eigen ist: „Sie haben neben einem Hang zu Selbstdistanz und -ironie eine gute Portion Humor.“ Dennoch weiß die gelernte Schneiderin, dass sie bei Männern zuweilen vorsichtig deren Toleranzgrenze ausloten muss, weil sie auf den Begriff Unisex-Mode oft viel empfindlicher reagieren als Frauen. Doch die Garantie, dass es sich bei sämtlichen Hemden, Shirts, Hosen, Jacken und Mänteln der seit zwölf Jahren in Berlin lebenden Schwedin um Unikate handelt, vertreibt derlei Vorbehalte: Zumindest muss sich kein Mann sorgen, eine Frau in der gleichen Hose zu treffen.

Andere Qualitätskriterien der Kreationen made by Maria Rasmusson werden Geschlechter übergreifend geschätzt: der Tragekomfort der verwendeten Materialien, die hochklassige Verarbeitung, das Zusammenspiel von schnörkellosen Schnitten und originellen, dekorativen Akzenten und nicht zuletzt die überaus moderate Preisgestaltung. „Dass ich zu vielen Sachen außerdem passende Accessoires wie Taschen oder Mützen anbiete, ist für die meisten ein weiterer wichtiger Aspekt“, ergänzt sie. Wohl wissend, dass es oft Kleinigkeiten sind, die einem Outfit den letzten Pep geben – oder rauben. Überraschungen? Ja, bitte, aber angenehm sollten sie sein. Und sich in Form und Farbe ins Gesamtbild einfügen.

Stoffaffären, Boxhagener Straße 93 (Friedrichshain), Di-Sa 12-19 Uhr. Heute und morgen präsentiert Maria Rasmusson ihre Mode in der Richardstraße 105 beim Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“.

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