Zeitung Heute : Model. Athleten

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WEISSES RAUSCHEN

Reden wir doch heute mal über Sex, denn über Sex will man ja immer was lesen, und am besten auch alles wissen. Aber: Will man das auch alles sehen? Was man ja eigentlich nicht sehen will, ist eine dreistündige Übertragung des 1,5-Kilometer-Sprints der Langläufer–angeblich ein Wettbewerb, mit ganz, ganz hoher Attraktivität, deshalb neu im olympischen Programm: Drei Stunden dieselbe Strecke, drei Stunden eine ähnliche Dramaturgie der Rennen, und am Ende gewinnt Deutschland zwei Medaillen. War das sexy? Nö.

Kurz nach Mitternacht dann, wenn es im deutschen Fernsehen gerne mal etwas verruchter zugeht, sitzt Marianne Kreuzer im Studio und gibt in Windeseile ab an Claus Lufen. Der steht, wie immer, an der Rodelbahn. Und Lufen zeigt dann einen Beitrag über Susi Erdmann. Die war mal eine sehr gute Rodlerin, befreundet mit Christoph Langen, und jetzt startet sie beim neuen olympischen Zweierbob-Wettbewerb der Frauen. Langen sagt, nun könne man auch Schneeballschlachten olympisch machen. Der Reporter, der Susi Erdmann porträtiert, sagt: „Susi Erdmann könnte auch als Model arbeiten.“ Und eben das kann sie nicht, und jetzt sind wir beim Sex und dem großen Missverständnis der Olympischen Spiele.

Erdmann ist 1Meter87 groß und blond. Deshalb ist sie aber noch lange kein Model. Anni Friesinger ist blond und hat angeblich eine größere Oberweite als andere Sportlerinnen. Deshalb ist sie noch lange kein Model, obwohl sie es selbst glaubt, und sich offensichtlich gerne „erotisch“ fotografieren lässt. Nicola Thost, die kaum jemand kennt, die aber laut Zeugenaussagen mit dem Snowboard in der Halfpipe rumfuhr, hat sich für den „Playboy“ ausgezogen und mit den Fotos dafür gesorgt, dass sie jetzt wahrscheinlich noch weniger Menschen kennen lernen wollen. Und später sitzt bei Kreuzer Katarina Witt, die zog sich zweimal für den „Playboy“ aus, und die Hefte gingen weg wie geschnitten Brot. Jetzt redet sie über die jungen, 15-jährigen Eiskunstläuferinnen, manchmal fehlt der Witt bei diesen Kindern das Frauliche.

Reden wir ab sofort lieber nicht über Sex, sondern über Sport. Interessiert ja vielleicht auch ein paar Zuschauer. Matthias Kalle

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