Zeitung Heute : Modern

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Auch die DDR war einmal modern: ostmodern. Dabei war der Unterschied zum Westen in den ersten Jahren gar nicht so groß. Scharouns Vorstellungen von einer „neuen Stadt“, der Stadt als Landschaft, haben offenbar auch den Osten Berlins geprägt. Diese Erkenntnis gehört zu den vielen Überraschungen, die das Buch „Ostmoderne“, entstanden als Begleitung zu einer Ausstellung des Deutschen Werkbunds, präsentiert. Die Architekturhistoriker Andreas Butter und Ulrich Hartung haben sich vorgenommen, das starre Bild der DDRArchitektur – Zuckerbäckerei oder Plattenbau – zu revidieren. So erzählen sie, wie Hermann Henselmann, besser bekannt für seine Stalinallee, jungen Kollegen den Bau von Freizeitanlagen übertrug. So entstand das wunderschöne Pankower Sommerbad mit seinen eleganten Rutschen und Sprungtürmen. Liebhaber des Kinos International werden hier noch viele andere, unbekannte Orte entdecken können, die mit alten Fotos, Zeichnungen, ausführlichen Beschreibungen und aktuellen Fotos vorgestellt werden. Soweit es die Gebäude noch gibt – das Herzstück des Milchhofs zum Beispiel wurde vor ein paar Jahren abgerissen. So ist das Buch denn auch mit einer Hoffnung verbunden: „das eine oder andere gefährdete Bauwerk jener Epoche vor Abriss oder Entstellung zu bewahren“, wie Adrian von Buttlar, Vorsitzender des Landesdenkmalrates Berlin, im Vorwort schreibt. kip

Ostmoderne. Architektur in Berlin 1945 bis 1965. Von Andreas Butter und Ulrich Hartung, herausgegeben vom Deutschen Werkbund Berlin. Jovis Verlag, 127 S., 22 Euro.

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