Modeszene in Kairo : So viele Talente

Das Projekt „Cairo Fashion Art“ hilft ägyptischen Designern. Ihre spannenden Entwürfe und Kreationen sollen besser vermarktet werden.

Kulturelle Grenzgängerin. Haidy Hamdy verbindet in ihrem Silberschmuck Elemente beduinischer und nubischer Kultur.
Kulturelle Grenzgängerin. Haidy Hamdy verbindet in ihrem Silberschmuck Elemente beduinischer und nubischer Kultur.Foto: promo

Die Koffer sind schon aufgeklappt. Jetzt muss Haidy Hamdy nur noch ihre Wintersachen zusammenpacken. Dann kann die Reise nach Berlin endlich losgehen. Die 31-jährige Designerin aus Kairo präsentiert von Mittwoch an ihre Schmuck- und Kleiderkollektion auf der „Import Shop Messe“. Und fiebert ihrem Debüt schon entgegen. „Ich hoffe, die Sachen kommen bei den Besuchern gut an“, sagt sie. Neue Kundschaft – das wäre ihr größter Wunsch.

Mode hat Haidy Hamdy seit ihrer Kindheit fasziniert. „Ich habe ganze Papierblöcke mit Entwürfen und Skizzen vollgekritzelt“, sagt sie schmunzelnd. Dass aus dem Hobby ein Berufswunsch wurde, war nicht selbstverständlich. Denn bis vor einigen Jahren war es in Ägypten nicht nur verpönt, sondern gar unmöglich, Mode zu studieren. Eine entsprechende Fachrichtung existierte nicht. Inzwischen habe sich einiges bewegt. „Eine Reihe von Instituten bieten das Fach Modedesign an. Immer mehr Mädchen sind interessiert und wollen ihren eigenen Stil kreieren.“

Viele von ihnen werden jetzt im Rahmen des „Cairo Fashion Art Projekts“ unterstützt. Das vom Import Shop initiierte Programm wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über das gemeinnützige Unternehmen Sequa gefördert. Rund 80 Studenten und 40 Designer und Designerinnen haben die Chance bekommen, unter professioneller Aufsicht ihre Kollektionen zu verfeinern. Das Konzept beruht auf wechselseitigem Lernen: Die erfahrensten Studenten begleiten kleine Gruppen, die später selbst ausbilden sollen. Die Projektleitung hat Susanne Kümper übernommen.

Mode aus Tausendundeiner Nacht. Gestalterinnen aus Ägypten verbinden moderne Formen mit traditionellen Motiven.
Mode aus Tausendundeiner Nacht. Gestalterinnen aus Ägypten verbinden moderne Formen mit traditionellen Motiven.Foto: promo

Die gebürtige Essenerin hat die Bildungslandschaft in Ägypten ganz schön aufgemischt, als sie vor 13 Jahren an der Helwan-Universität in Kairo den ersten Modestudiengang des Landes mit aufbaute. Dabei war sie eigentlich nur nach Ägypten gekommen, um ihren Bruder zu besuchen. Bald darauf saß sie, damals noch Modestudentin in Hamburg, als Praktikantin vor der Strickmaschine in einem Atelier. Es lag direkt am Nil.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!