Zeitung Heute : Möllemann bekommt was zu hören

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Von Jürgen Zurheide, Düsseldorf

Die letzte Wendung hatte Mathias Richter nicht mehr mitbekommen. Eigentlich war der Kreisvorsitzende der FDP in Recklinghausen am späten Mittwochnachmittag mit einem klaren Auftrag von Jürgen Möllemann in seinen Heimatbezirk geschickt worden: Er sollte für eine Mehrheit im Kreisvorstand sorgen und Jamal Karsli endlich in die liberale Partei aufnehmen. Noch während Richter mit seinen Vorstandskollegen über die Aufnahme des früheren grünen Landtagsabgeordneten beriet, änderte Möllemann seine Meinung. Die eindeutigen Signale aus der Bundeshauptstadt ließen ihn aufhorchen. Guido Westerwelle hatte sich mit den Spitzenvertretern der Juden in Deutschland getroffen und die hatten ihm klar gemacht, dass sie eine Aufnahme Karslis nach dessen eindeutig antisemitischen Äußerungen als Kampfansage bewerten würden. Westerwelle bestellte deshalb Möllemann für den frühen Donnerstagvormittag nach Berlin ein und der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende ahnte, dass er innerparteilich unter Druck geraten könnte.

Nach kontroverser Diskussion

In diesem Moment erinnerte er sich an die verschiedenen Versuche von führenden Liberalen im größten Bundesland, die ihm vorgeschlagen hatten, die Aufnahme Karslis erst einmal zu verschieben. Sowohl sein Stellvertreter auf Landesebene, Andreas Reichel, wie sein zweiter Mann in der Landtagsfraktion, Stefan Grüll, hatte vehement dafür geworben, Karsli nicht das Parteibuch zu geben und statt dessen erst einmal zu beobachten, ob er sich an die verabredeten Regeln hält. Zum Leidwesen von Möllemann erreichte diese neue Lage die Vorständler um Richter in Recklinghausen nicht mehr; nach kontroverser Diskussion wurde der gebürtige Syrer mit Zwei-Drittel-Mehrheit aufgenommen. Das Gespräch zwischen Möllemann und Westerwelle am nächsten Morgen verlief nicht nur freundlich, und am Ende musste Möllemann seinem Vorsitzenden nachgeben. Der hatte darauf bestanden, dass sich der Landesvorstand erneut mit dem Fall Karsli befasst. Westerwelle war inzwischen zugetragen worden, dass die beiden bisher öffentlich diskutierten Begriffe – „Nazi-Methoden“ und „Einfluss der zionistischen Lobby“ – keine Einzelfälle sind, sondern dass man befürchten muss, Karsli denkt wirklich in solchen Strukturen. Auf seiner eigenen Internetseite ( www.jamal-karsli.de ) finden sich viele entsprechende Zeugnisse. Zuletzt hatte er am 16. Februar des Jahres in Bonn ein Rede vor Palästinensern gehalten, in der Israel rüde angegriffen wird.

Der Landesvorstand kann das Ergebnis von Recklinghausen am 3. Juni korrigieren. Weil der Stadtverband, in den Karsli aufgenommen werden soll, anders votiert hat, als der vom Möllemann Mitarbeiter Richter geführte Kreisverband, könnte man dort mit Mehrheit beschließen, dass Karsli wieder ausgeschlossen wird. Ob es dazu kommt, ist freilich nicht klar.

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