Mogelei beim RBB-Ranking : Die Ringbahn - ein Erlebnis

Harald Martenstein mag Ranking-Shows. Auch wenn die Reihenfolge hingemogelt wird. Nur dass der RBB die Berliner Ringbahn nach hinten wegdrückt - das geht gar nicht.

(Ringbahn S42) - Bei den Berlinern beliebt, im RBB weniger. Die Ringbahn wurde für eine Ranking-Show abgewertet.
Bei den Berlinern beliebt, im RBB weniger. Die Ringbahn wurde für eine Ranking-Show abgewertet.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Auch ich schaue mir, wie fast jeder, im Fernsehen gern Ranking- Shows an. So muss gutes Fernsehen sein, entspannend und irrelevant. Das Leben ist spannend und relevant genug. Der Skandal über die manipulierte ZDF-Show „Deutschlands Beste“ ist der entspannendste und irrelevanteste Skandal des Jahres. Das ZDF hat gemogelt, aber es geht im Grunde um gar nichts. Vom ersten Platz, Helmut Schmidt, hat das ZDF die Finger gelassen. Wer aber von den beliebten Fernsehmenschen Peter Kloeppel und Claus Kleber ein bisschen weiter oben oder ein bisschen weiter unten auf der Beliebtheitsskala steht, ist politisch-gesellschaftlich so bedeutsam wie der Unterschied zwischen Erdbeer- und Himbeermarmelade. Ich wollte, es gebe nur solche Skandale.

Helmut Schmidt zieht immer

Außerdem läuft es sowieso immer auf Helmut Schmidt hinaus. Wenn der Hessische Rundfunk bei „Hessens spannendste Brücken“ oder der RBB bei der zur Zeit laufenden Abstimmung „Die 30 beliebtesten Retro-Wohnschätze“ auch Helmut Schmidt als Wahlmöglichkeit anbieten, dann gewinnt der das locker. Helmut Schmidt ist Retro und wäre als Wohnpuppe sicher beliebter als die Lava- Lampe oder die Hollywoodschaukel. Sein Leben war gewiss auch spannender als die Alte Lahnbrücke in Wetzlar.

21 Dinge...

Nun ist auch unser RBB in den Skandal um die Ranking-Shows hineingeraten. Bei „21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss“ haben sie die von den Zuschauern auf Platz 2 gewählte Ringbahn auf Platz 13 geschoben und durch die Robbenfütterung im Zoo ersetzt – muss man die erlebt haben? In anderen deutschen Zoos werden die Robben ebenfalls gefüttert. „Treffen an der Weltzeituhr“ wurde von Platz 3 auf Platz 16 hinuntermanipuliert, die neue Nummer 3 hieß „Neuköllner Stadtbad“. Zur Begründung ersterer Manipulation hieß es, völlig korrekt, eine Fahrt auf der berlintypisch heruntergekommenen Ringbahn sei für viele Menschen ein „Leidensweg“. Man wollte keine negativen Gefühle wecken bei Zuschauern, die stundenlang in der Ringbahn feststeckten.

Harald Martenstein.
Harald Martenstein.Foto: Thilo Rückeis

Vermutlich haben auch schon ein paar leitende RBB-Redakteure in der Ringbahn festgesteckt. Aber die Leute lieben das! Der Erfolg der Ringbahn in der RBB-Abstimmung ist ähnlich zu bewerten wie der Bestseller-Ruhm von „Fifty Shades of Grey“. Die Heldin wird ausgepeitscht. Sie liebt das.

Meiner Ansicht nach ist das Ding, das man in und um Berlin wirklich erlebt haben müsste, die Landung von Kanzler Schmidt auf dem Flughafen in Schönefeld am 11.12.1981. Er war Staatsgast der DDR, der Flughafen funktionierte tadellos. Das wäre meine Nummer eins. Man müsste die Lust am Skandal und die Lust am Ranking endlich mal zusammenbringen. Meine Lieblings- Show im RBB müsste heißen: „21 Skandale, die man in Berlin erlebt haben muss“.

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