Zeitung Heute : Molekulare Heiratsvermittler

Im neuen Exzellenzcluster „Unifying Concepts in Catalysis“ werden Katalysatoren maßgeschneidert

Matthias Drieß

Die Umwelt schonen und Energie sparen: Das erwartet die Gesellschaft von der modernen Chemie. Die riesigen Erdgasvorkommen zur Herstellung von Polymeren und Benzinersatzstoffe zu nutzen, Kraftstoffe für Autos möglichst schadstoffarm zu verbrennen und den Wirkungsgrad von Medikamenten feiner auf ihr Einsatzgebiet im menschlichen Körper abzustimmen, das sind die Herausforderungen. Die Schlüsselstellung in dieser Forschung nehmen dabei Katalysatoren ein. Sie ermöglichen es, chemische Reaktionen mit dem geringsten Aufwand an Energie und Material ablaufen zu lassen.

Katalysatoren wirken als molekulare Heiratsvermittler, die sogar sehr reaktionsträge Ausgangsstoffe aktivieren und passgenau zum richtigen Zeitpunkt miteinander verknüpfen. Als Katalysatoren dienen heute maßgeschneiderte Moleküle und Materialien unterschiedlicher Komplexität und Größe. Die jüngste Vergabe des Nobelpreises für Chemie an Gerhard Ertl vom Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft trug der enormen Bedeutung der Katalyseforschung Rechnung.

Im frisch bewilligten Exzellenzcluster „Unifying Concepts in Catalysis“ (UniCat), an dem sich die drei Berliner Universitäten, die Universität Potsdam, das Fritz-Haber-Institut und das Max-Plnack-Institut für Kolloid- und Gerenzflächenforschung Golm beteiligen, sind aber nicht nur Chemiker involviert. Die Forscher bedienen sich auch bewährter Methoden aus der Natur. In so genannten Biokatalysatoren werden Mikroorganismen eingesetzt, um chemische Reaktionen mit Hilfe von Enzymen zu steuern. Drei große Bereiche werden in UniCat verknüpft: Die Entwicklung und Erforschung von Katalysatoren erfolgt sowohl durch die klassische Chemie als auch durch Bio- und Materialwissenschaftler. Die Umsetzung in industrielle Anwendungen bearbeiten Ingenieure. Der Cluster kombiniert naturwissenschaftliche Expertise mit modernen Methoden der Techniker, um Synergien für neue katalytische Prozesse zu nutzen.

Eingebettet in UniCat ist die „Berlin International Graduate School of Natural Sciences and Engineering“ (BIG-NSE), die im Mai an der TU gegründet wurde. Die Graduiertenschule soll die Ausbildung von Doktoranden beschleunigen. Außerdem bieten die beteiligten Universitäten ab dem Wintersemester 2008/09 den neuen Studiengang „Master of Science in Catalysis“ an. Matthias Drieß

Der Autor ist Professor für Chemie an der TU Berlin und Sprecher des Exzellenzclusters.

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