Zeitung Heute : „Mon dieu, ist das billig“

Der Tagesspiegel

Für Irmgard Levy-Sosso sind alle Preise in Berlin Sonderangebote. „ Wenn man wie ich in Monaco lebt, gewöhnt man sich das Vergleichen von Preisen ab“, sagt die Monegassin. Auch wenn man mal ein paar Cent mehr für einen Kaffee zahlen müsse, mache das nichts - dafür können einen „auch niemand mehr an der Wechselstube übers Ohr hauen“. Erste Euro-Urlaube, erste Euro-Erfahrungen. Wir haben uns einemal auf der ITB umgehört.

Die Umstellung auf den Euro war für alle gewöhnungsbedürftig. Mit dem Euro macht nicht nur der Otto-Normal-Tourist seine Erfahrungen. Auch Experten, wie die Aussteller auf der ITB, reagieren ganz unterschiedlich auf das neue Geld. Generell ist zu sagen, dass die Befragten, egal woher sie kommen, mit dem Euro in Berlin durchweg gute Erfahrungen gemacht haben.

Joana Goma aus Portugal denkt allerdings anders, denn für sie ist alles plötzlich viel teurer geworden. Sie kam vor zwei Tagen in Berin an und ist froh, dass sie die Restaurantkosten auf ihre Spesenrechnung setzen kann.„ Direkt nach meiner Ankunft war ich bei einem Chinesen. In Lissabon kann man sehr preiswert asiatisch essen. Hier habe ich doppelt so viel bezahlt“.

George Danampasis aus Griechenland denkt da ähnlich. Für ihn ist es nicht damit getan, die Preise europaweit anzugleichen. Solange ein Grieche nur die Hälfte von einem Deutschen verdiene, werde es ihm nicht möglich sein, hier Urlaub zu machen. Auf der ITB hat er nur positive Erfahrungen mit dem Euro gemacht:„ Plötzlich hat man mit den anderen Ausstellern etwas gemeinsam. Die Einheitswährung ist ein wichtiger Schritt für die europäische Integration. Das erfährt man hier am eigenen Leib“. Marie-Agnes Crosnier aus Frankreich hat sich noch gar nicht an den Euro gewöhnt. In Frankreich ist der Umrechnungskurs sehr schwierig . In Deuschland denkt sie immer noch in alten D-Mark-Dimensionen : „Gestern habe ich in einer Pizzeria für eine Pizza Margharita und ein Bier 15 Euro bezaht und dachte mir, mon dieu, ist das billig“.

Lauretta Pozzati aus Italien meinte in typisch italienischer Überschwänglichkeit, dass sie den Euro lieben würde. Sie ist am Sonnabend in Berlin angekommen und fühlte sich der Stadt gleich viel näher als bei ihren letzten Besuchen. Darüber hinaus sammelt sie die neuen Münzen. „Früher habe ich über Leute gelacht, die Münzen oder ähnliches sammeln, nun bin ich selber ganz wild auf diese Symbole einer neuen Zeitrechnung“.

Die Holländerin Cindy Spaans sieht das viel pragmatischer. Für sie ist die Umstellung überhaupt nicht spürbar, bis auf die Tatsache, dass sie jetzt erst realisiert hat, dass Zigarretten in Deutschland billiger sind als in Holland.

Für Jaume Marti aus Mallorca ist der Euro ein wahrer Segen. „Endlich werden die deuschen Urlauber in Spanien nicht mehr den halben Urlaub mit der Umrechnungstabelle in der Hand verbringen“. Berlin fand er immer schön, auch in Zeiten der D-Mark, und auch über das Wetter, das hier ja bekanntlich schlechter ist als in Spanien, sagt er lachend.

„Als ich am Freitag aus dem Flieger stieg hat es geschneit. Davon träumt jeder Süddeuropäer, der nach Deutschland kommt. Den Schnee kann man für keine Währung der Welt kaufen“. Johanna Hiller

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