Zeitung Heute : Mondgestein und Tubennahrung

Die Deutsche Raumfahrtausstellung zeigt das Leben im All

Roland Koch

Erdenbürger kommen manchmal auf seltsame Ideen. Wenn es zum Beispiel um die Ordnung auf unserem Planeten geht, lassen sie nichts anbrennen. Da muss über alles genauestens Buch geführt werden. Das gilt sogar für Steine vom Mond. Als die Raumfahrt von Apollo 11 im Juli 1969 auf Hawaii beendet wurde, hatten die Astronauten Mondgestein dabei – und das mussten sie verzollen. Die erstmalige Einführung von Mondgestein auf der Erde wurde am 24. Juli 1969 amtlich festgehalten.

Die Zollurkunde, die dieses Beispiel bürokratischer Perfektion belegt, hängt heute in den Räumen der Deutschen Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland. Dass das damals nur ein Scherz war, glaubt Romy Mothes, die Leiterin der Ausstellung, nicht. „Ordnungsliebe ist offensichtlich nicht nur eine besondere deutsche Tugend“, sagt sie lachend.

Einige Jahre später, 1978, startete der erste deutsche Kosmonaut, Sigmund Jähn, zu einem Flug ins All. Schon ein Jahr später fand in seinem Geburtsort eine Ausstellung darüber statt. 1991 wurde sie zu einer gesamtdeutschen Raumfahrtausstellung, in der die Geschichte der Weltraumerforschung gezeigt wird. Wegen fehlender finanzieller Mittel muss sie heute mit bescheidenen 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche auskommen.

Die Geschichte der Raumfahrt wird hier chronologisch gezeigt: Fotografien und Modelle, aber auch viele Originalteile wie Raumfahreranzüge, Nahrung aus der Tube oder einen Mondschuh gibt es zu sehen. Veteranen wie Galileo, Newton oder Einstein, die zum Teil vor Jahrhunderten die theoretischen Grundlagen für die moderne Raumfahrt schufen, werden zu Beginn vorgestellt. Sigmund Jähn kommt in einem eigenen Zimmer zu besonderen Ehren.

In Morgenröthe-Rautenkranz geht es aber nicht nur um die Geschichte der Raumfahrt. Auch Gegenwart und Zukunft haben ihren Platz. So kann man beispielsweise den Flug der internationalen Raumstation ISS, die derzeit um die Erde kreist, verfolgen, aktuelle Satellitenbilder verraten das Wetter der kommenden Stunden. „Im Mittelpunkt der Ausstellung steht immer der Nutzen der Weltraumforschung für die Menschheit“, sagt Romy Mothes.

„Die Raumfahrtausstellung ist einer von insgesamt vier Teilen der „Raumfahrtwelt Vogtland“: Ein Trainingsmodul der Raumstation MIR steht im nahe gelegenen Waldpark Grünheide. Im IFA-Ferienpark in Schöneck gibt es eine Space-Station. In Rodewisch sind in der Sternwarte und im Planetarium die Sterne zum Greifen nah.

Mit etwas Glück begegnet man manchmal sogar Sigmund Jähn hier in der Gegend. Er wohnt noch immer in der Nähe, kommt ab und zu in der Ausstellung vorbei und beantwortet dann geduldig die Fragen der kleinen und großen Besucher.

Deutsche Raumfahrtausstellung, Bahnhofstraße 8, 08262 Morgenröthe-Rautenkranz, Tel: 037 465 / 25 38. Öffnungszeiten: Di. b. So. 10 bis 17 Uhr. Im Internet: www.morgenroethe-rautekranz.de

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