MONOLOG MIT MUSIK Rufus Beck liest die „Reise nach Petuschki“ : Saufen, bis der Arzt kommt

Anna Palinka
Foto: vanit.de/C. Kaufmann/Roba Press

In den Top Ten der größten Trinkerromane dieser Welt hat Wenedikt Jerofejews 1969 geschriebene „Reise nach Petuschki“ gute Chancen, den ersten Platz zu belegen. Denn dieser in jeder Hinsicht rauschhafte Monolog, der sich ganz zu Recht „Poem“ nennt, ist die höchstprozentige Mischung aus Säuferelend, Komik und harscher Kritik am Sowjetsystem, die sich denken lässt – und darüber hinaus ein ganz universeller Gipfel von alkoholischen Nebeln und politischer wie existenzieller Klarsicht.

Der Protagonist, Wenja, den man gerne mit dem Autor verwechseln darf, macht sich mit dem Zug von Moskau ins 120 Kilometer entfernte Petuschki zu seiner Geliebten auf, bringt sich und seine Mitreisenden mit Schnaps aber immer mehr um den Verstand und schafft es beim Umsteigen, wieder den Zug nach Moskau zu erwischen. Je mehr er sich seinem Ausgangspunkt nähert, um so apokalyptischer wird das Ganze – und endet für Wenja böser, als er es sich hätte träumen lassen.

Als die „Reise“ vor ein paar Tagen am Städtischen Schauspiel Frankfurt aufgeführt wurde, nahmen die Schauspieler den Stoff so ernst, dass sie auf der Bühne tatsächlich literweise Wodka becherten. Der Abend endete mit Lallen, Stürzen – und einem Rettungswagen zur Uniklinik. So hart wird es nun nicht zugehen, wenn Rufus Beck zusammen mit den polnischen Schwestern Ines und Anna Walachowski am Klavier (die Musik stammt von Tschaikowski und Rachmaninoff) den Trinkermonolog im Ernst-Reuter-Saal aufführt. Aber Beck wird ihn garantiert so lesen, dass einem selbst ganz schwindelig wird.Anna Palinka

Ernst-Reuter-Saal, Sa 29.1.,

19 Uhr, 14-27 €

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