Zeitung Heute : Moonwalk auf der Laufbahn Philipp Köster steht mit dem Rücken zum Spielfeld

-

Können ja gar nicht oft genug gelobt werden, all die freiwilligen WM-Helfer. Vier Wochen lang schieben die Jungs und Mädels Nachtschichten im Goleo-Lager am Stadtrand und erklären volltrunkenen Engländern geduldig zum dritten Mal den komplizierten Weg vom Brandenburger Tor zur Fanmeile. Das ist sicher oft ein harter Job, ich würde ihn nicht machen wollen, selbst wenn ich dafür auch so ein hübsches hellblaues Dienstleibchen bekommen würde.

Den härtesten Job haben übrigens die Freiwilligen, die zum Innenraumdienst in den Stadien verdonnert werden. Innenraum, das hört sich ja zunächst sehr verlockend an, freier Blick aufs Spielfeld und kleiner Plausch mit Klinsi.

In Wirklichkeit stehen die Volunteers auf der Laufbahn und machen das ganze Spiel über nichts anderes, als mit dem Rücken zum Spielfeld die Zuschauer anzustarren. Aus Sicherheitsgründen, versteht sich, damit keine Stinkbomben gezündet werden.

Eine selten freudlose Tätigkeit, zumal die Freiwilligen sich noch nicht einmal für eine kleine Raucherpause umdrehen und dem Spiel zugucken dürfen. Da kann Brasilien gegen Argentinien kicken und gerade das 6:5 durch einen Hackentrick nach Fallrückzieher gefallen sein – es wird weiter ins Publikum gestiert. Und damit keiner auf dumme Ideen kommt, müssen die Volunteers stets und ständig so grimmig und entschlossen dreinschauen, als hätten sie schwere Verstopfung.

Zu schön die Vorstellung, einer würde mal ausscheren. Würde linkisch winken oder den Moonwalk von Michael Jackson machen. Sepp Blatter würde auf der Tribüne krebsrot anlaufen und Goleo einen Herzkasper kriegen. Also: Freiwillige vor.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben