Zeitung Heute : Moorhuhn 2: Von Sonntag an wird weitergeballert

Sebastian Heise

Der Schreck von Eltern und Arbeitgeber findet am Sonntag eine Fortsetzung: Mit "Moorhuhn 2" kann dann eine neue Jagd beginnen auf die putzigen kleinen Vögel mit den großen Kulleraugen. Das Prinzip ist zwar gleich geblieben, wie Erfinder Frank Ziemlinski am Donnerstag bei der Präsentation in München zugab. Es gebe jedoch viele neue Gags, und auch die Hintergrundgrafik entspreche erstmals einer echten schottischen Landschaft. Im Laufe des Sonntags können Internet-Nutzer die neue Version der Moorhuhnjagd unter www.computerchannel.de kostenlos herunterladen.

Der Betreiber des Spiels, die Bochumer phenomedia AG, erwartet eine der größten Download-Aktionen der deutschen Internet-Geschichte. Schließlich hätten den ersten Teil weltweit etwa 40 Millionen Nutzer heruntergeladen. Mit einem ausgefeilten Serversystem sollen aber auch mehrere zehntausend Zugriffe gleichzeitig bewerkstelligt werden. Die Moorhuhnjagd, die bei Tierschützer wegen der Verherrlichung der Vogeljagd umstritten ist, erlangte mittlerweile Kultstatus. Die Begriffe "Moorhuhn" und "Moorhuhnjagd" werden daher auch in den Duden aufgenommen. Lehrer sollen das Spiel in den Schulpausen spielen, Arbeitnehmer während der Arbeitszeit.

Um Konflikte mit dem Vorgesetzten zu vermeiden, könne man bei der neuen Version mit einem Tastendruck auf die "Cheftaste" das Spiel jederzeit unterbrechen und wieder fortsetzen. Wie Nicolaus Fäustle von der "Game it AG", die das Spiel auch über das Internet hinaus vertreibt, erklärte, machten sich die drei Betreiber der Moorhuhnjagd - phenomedia AG, game it, G+J Computerchannel GmbH - auch Gedanken um Wirtschaft und Tierschutz. So seien die Moorhühner schneller, gerissener, aber auch vorsichtiger geworden. Ein Frosch, der sich nicht bewegt, solle zu Diskussionen über die Wehrlosigkeit der Tiere anregen.

Außerdem könne man neben den Vögeln auch viele Punkte und Zeitgutschriften gewinnen, in dem man Luftballone oder einen Hochsitz abschießt, ein Boot versenkt oder ein Pendel an einen Baumast zum Rotieren bringt. Die Idee, dass die braungrünen Vögel nicht mehr tot zu Boden fallen, sondern Eier legen, fand der 31-jährige "Moorhuhn-Papa" Ziemlinski aber nicht so gut. Schließlich sei die Gewaltdarstellung reduziert auf eine Art Geschicklichkeitsspiel."Etwas wirklich Neues" sei es nicht, sagte der Erfinder, es habe aber dennoch das Potenzial, "ein Zeitkiller zu sein". Denn man könne immer wieder neue Details entdecken. So gebe es allein drei verschiedene Varianten, die Vogelscheuche zu zerlegen. Trotz neuem Hintergrund sei die Download-Version mit 2,8 Megabyte etwa genauso groß wie die Urfassung.

Ziemlinski, ein Mitbegründer vom Computerspiele-Spezialisten phenomedia, ist vor zwei Jahren auf die Idee zum Moorhuhnspiel gekommen, als er auf dem Hamburger Bahnhof auf einen Zug warten musste. Auf einer Promotionstour für einen Whisky-Hersteller durch Bars und Cafes wurde die Moorhuhnjagd dann vorgestellt. Durch den kostenlosen Vertrieb im Internet nahm die Popularität rapide zu.

Irgendwann im Laufe des Sonntags soll diese dann abgerufen werden können, zunächst jedoch nur als Windows-Version. Einige Wochen später solle dann auch Macintosh- und Linux-Versionen folgen. Der Geschäftsführer von Computerchannel, Rainer Grabowski, rechnet mit sechs bis zehn Millionen Downloads bereits in der ersten Woche. Später soll auch online eine Deutsche Meisterschaft stattfinden, an der Ziemlinski selbst wohl nicht teilnehmen wird. Vor allem, weil er nach eigenen Worten "ein miserabler Schütze" ist.

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