Zeitung Heute : Moorhuhn-Fieber: Kein Pardon für die Fans

Kurt Sagatz

Seit Sonntag grassiert die zweite Welle des Moorhuhn-Fiebers. Über eine Million Kopien des Spiels wurden nach Angaben des Herstellers seither verbreitet. Nachdem bereits die Ur-Version des einstmals von "Johnny Walker" in Auftrag gegebenen Hochland-Games auch auf diversen Rechnern am Arbeitsplatz für Entspannung von eintöniger Arbeit und Spannung mit den Personalabteilungen gesorgt hat, ist eine Neuauflage der Debatte absehbar.

Beim Berliner Energieversorger Bewag wird solchen Diskussionen von vorn herein der Boden entzogen. Nicht jeder hängt am Netz und überdies darf das Internet hier ausschließlich zum dienstlichen Gebrauch genutzt werden. Zuwiderhandlungen würden disziplinarisch geahndet, zumindest eine Ermahnung wäre fällig. Aber so weit ist es nach Auskunft des Unternehmens bislang noch gar nicht gekommen. In jedem Fall versteht man bei der Bewag auch in den Arbeitspausen bei Moorhühner keinen Spaß.

In welchem Umfang die ersten Kopien der neuen Moorhuhn-Ballerei bereits in die Berliner Verwaltung vorgedrungen sind, war zwei Tage nach der Freigabe des Spiels im Internet am Dienstag noch nicht festzustellen. Überdies wird in den verschiedenen Verwaltungen mit dem Thema unterschiedlich umgegangen. Überall dort, wo sensible Daten bearbeitet werden, wie zum Beispiel in den Sozialämtern, wird mit dem Thema Fremdsoftware restriktiv umgegangen. Zu groß ist die Gefahr, die von Hackerprogrammen ausgeht.

Doch es gibt auch Behörden und Abteilungen, bei denen diese Gefahr als nicht so groß erachtet wird. Zum Beispiel die Senatskanzlei. Dort setzt man auf den verantwortungsvollen Umgang der Mitarbeiter. Wobei die Nutzung des Internets wie in der gesamten Berliner Verwaltung auf den dienstlichen Gebrauch beschränkt ist, wie der stellvertretende IT-Stellenleiter der Senatskanzlei, Georg Vollmeyer, erläutert. Man halte sich an die Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik und des Berliner Landesamtes für Informationstechnik. Doch die Einrichtung individueller Bildschirmschoner oder das Spielen von Solitär oder Minesweep in den Pausen steht hier nicht auf dem Index, so lange es im Rahmen bleibt und die Arbeitsfähigkeit des Systems dadurch nicht beeinträchtigt wird. Dahinter steht freilich das Wissen, dass Spiele wie die Moorhuhnjagd eher zur Fingerübung der Mitarbeiter als zur länger andauernden Beschäftigung geeignet sind.

Dies wird selbst von den Arbeitgeberverbänden so gesehen. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer nähme ihre Eigenverantwortung ernst, mit den wenigen anderen müsse halt geredet werden. Als Empfehlung gibt der Bundesverband nur aus, sich an den sonst üblichen Regeln innerhalb der Unternehmen zu orientieren - auch bei den Moorhühnern.

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