Zeitung Heute : Moralisch einwandfrei

Christian Hörburger

Die Ware Mensch ARD. Michaela Funk, Dokumentarfilmerin für den SWR in Stuttgart, schwamm in ihrem nächtlichen Bericht über Hirntod, Organspende und die damit verbundenen ethischen Bedenken mutig gegen den Strom. Jenes optimistische Transplantationsgeplappere einer breiten Ärzteschaft, das davon ausgeht, der Hirntod sei ein hinreichendes Kriterium, um eine Organentnahme am Menschen ethisch vertreten und begründen zu können, teilt die engagierte Journalistin ganz offensichtlich nicht. Nicht nur die eifrigen Recherchen im Umfeld der anthroposophisch geführten Filderklinik lassen erhebliche Zweifel dran aufkommen, ob die entscheidenden elektrischen Messdaten, die über das EEG oder ein CT zu gewinnen sind, hinreichend aussagekräftig sind, um eine Organentnahme am vermeintlich "toten" Körper rechtfertigen zu können. Bischof Lehmann will den medizinischen Fortschritt nicht bremsen und warnt gleichzeitig, und damit skeptischer werdend, vor einer "Verzweckung" bei der Organentnahme. Auch die Tagebucheintragungen der Berliner OP-Schwester Monika Grosse ("Ich pflege Tote") machen deutlich, dass die Definition dessen, was ein Toter sei zumindest bei der Entnahmepraxis immer noch nicht geklärt ist. Die Bildschnitte und Entnahmeprojektionen, so mögen Kritiker dieses Beitrages einwenden, waren alles andere als ästhetisch und dienten einer Emotionalisierung der Diskussion. Dennoch war das "einseitige" Engagement für die Würde des Menschen und der damit verbundene Protest gegen die Ausschlachtung des Körpers als organisches Warendepot überaus wohltuend.

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