Zeitung Heute : Mord als Geschäftsidee

Matilda Jordanova-Duda

Eines Tages im Sommer 1999 düsten die Eheleute Michaela und Georg Pelz auf der Autobahn, das Baby auf dem Rücksitz, und überlegten: Wir wollen etwas machen. Etwas mit Krimis, die sie beide lieben, und mit dem Internet, das gerade im Kommen war und spannend schien. Dann schauten sie ins Netz und fanden keine Plattform, zumindest keine deutschsprachige, die zugleich informativ und unterhaltend wäre und bei der der Leser sich selbst über seine bevorzugte Lektüre äußern kann. So wurde die freie Journalistin und Marketing-Fachfrau zur Teilzeit-Gründerin. Die Seitenabrufe und E-Mails verraten, wie nötig es die Lesergemeinde hatte. "Endlich! Endlich!" überschlagen sich die Emotionen: "Nach so vielen englischsprachigen Seiten eine gute deutsche".

Bisher hat Michaela Pelz ihre stetig wachsende Community nicht zu Geld gemacht und verdient sich die Brötchen weiterhin als Journalistin. Die Seiten sind absolut werbefrei. Ihre Datenbank umfasst mehr als 1000 Titel, und mit der eigens für das Krimi-Forum entwickelten Suchmaschine kann man nach einem bestimmten Tatort oder nach dem Stichwort "Mord im Kloster" fahnden und sogar zwischen "action", "psychologisch", "gemütlich" oder "witzig" wählen. Die Bücher kann man nicht bestellen. "Am Anfang wollten wir uns ausschließlich auf das Redaktionelle konzentrieren. Dann eben auch keine kleinen Banner oder Weiterschaltung zum Online-Shop".

Pelz, die als Chefredakteurin des Krimi-Forums firmiert, spricht grundsätzlich in Wir-Form. Es ist schließlich ein Familienbetrieb. Ihr Mann, ein habilitierter Informatiker und Ingenieur, ist nach Feierabend Webmaster. Es sollte dennoch ein solider Broterwerb daraus werden, kein teures Hobby. Schon im Herbst 1999 hatte sich die Forum-Gründerin mit einem Entwurf der Website auf die Frankfurter Buchmesse begeben und die Verlage angesprochen. Sie reagierten positiv: Zu dieser Zeit war nicht jeder Verlag online. Heute kooperiert das Forum mit so gut wie allen Verlagen von Rang und vielen Nischenanbietern. Sie schicken Neuerscheinungen und knüpfen Kontakte zu den Schriftstellern. Ein guter Draht besteht zu der Vereinigung deutscher Krimi-Autoren "Das Syndikat". Zusammen mit dem "Syndikat" hat Michaela Pelz die CD-Rom "Mord auf Deutsch" herausgegeben. Nach der Frankfurter Messe erarbeitete das Ehepaar einen Business Plan und zeigte ihn einem Business Angel. Dieser private Investor, der nicht genannt werden will, bezahlt die laufenden Kosten für Telefon, Internet, Porto und PR-Agentur. Die beiden Gründer investieren ihre Arbeit. Wie viel das alles ist, darüber möchten sie sich (noch) nicht äußern. Bis zur Börsennotierung sei es schließlich noch weit, grinst Pelz. Nur soviel: "Wir haben das Forum wirklich damit bestritten, was wir für die erste Zeit durchkalkuliert haben". Ohne Bankkredite und ohne staatliche Förderung.

Die inzwischen rund 40 freien Mitarbeiter - alles Krimi-Fans aus verschiedenen Berufen, darunter viele Frauen in der Babypause - besprechen die neuen Romane und Theaterstücke und interviewen Autoren oder Prominente. Dafür erhalten sie zwar kein Honorar, aber ständig neuen Lesestoff.

www.krimi-forum.de

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