Moritz Rinke : Warum nicht gleich den Präsidenten googlen

Als der Bundespräsident zurücktrat, saß ich in einer langen Jury-Sitzung auf der Berlinale. Eine Mitarbeiterin machte nur kurz die Tür auf und sagte: „Wulff ist weg.“

Moritz Rinke
Moritz RinkeFoto: Mike Wolff

„Oh, und nun?“, fragte ich. „Klaus Töpfer“, sagte sie und schloss die Tür.

Zwei Stunden später ging wieder die Tür. „Huber!“, sagte sie. „Huber!!“, wiederholte ich. „Who is Huber?“, fragte mein amerikanischer Jury-Kollege, er dachte wohl, das ist einer unserer Preiskandidaten. „Do we need Huber?“ „Maybe we need Huber, because our president didn’t say the truth.“ Eigentlich komisch, dachte ich, Wulff tritt ab, weil er nicht die Wahrheit sagte, Köhler davor trat ab, weil er die ganze Wahrheit sagte. „Too much truth is also dangerous in Germany“, erklärte ich.

„Voßkuhle!!“, hieß es, als das nächste Mal die Tür aufging. „Nice name, Vosskuhle!“, sagte mein amerikanischer Kollege.

Auf der Toilette hörte ich einen Mitarbeiter über den Flur rufen: „Otto Rehhagel! Sensation!“

Stimmt, dachte ich. Rehhagel ist eine Sensation, aber immerhin noch einleuchtender als Huber oder Vosskuhle.

Als ich später im Autoradio Rehhagel sagen hörte, dass er sich auf seine neue Aufgabe bei Hertha BSC freue, war ich enttäuscht. Ich tippte nun auf Huber oder doch auf Töpfer. Dann kamen weitere Namen: Norbert Lammert (Noch besser als Rehhagel!) ... Ursula von der Leyen (Hm) ... Margot Käßmann (ups!), Kathrin Göring-Eckardt (warum nicht?), Wolfgang Schäuble (Und wer übernimmt dann die Finanzen? Ramsauer??) ... Petra Roth (wie bitte??) ... Klaus Kinkel (Kinkel?!?) ... Wolfgang Ischinger (Wer ist das denn???) ...

Und dann soll ja Merkel eine Stunde vor Verkündung des neuen Bundespräsidenten zu Sigmar Gabriel gesagt haben: „Wie wär’s mit Voscherau?“ Und fünf Minuten vorher zu Trittin: „Haben Sie die Handynummer von Gauck?“

Ich schlage vor, das nächste Mal den Präsidenten auszugoogeln, da kommt man auch auf Kandidaten.

Wenn man sich zum Beispiel klarmacht, dass es an Christian Wulff auch gute Seiten gab (Pro Migrantentum) und es an Joachim Gauck auch schlechte gibt (Pro Sarrazin, gegen Occupy!), dann wäre vielleicht CHRISTIAN GAUCK der ideale Kandidat? Schon auf dem Foto (zu sehen auf: http://www.krankenhaus-tutzing.de/kliniken/hamburg/media/images/personen/alt/gauck_christian.jpg) sieht man: eine Supermischung aus Christian Wulff (jung, guter Haarschnitt!) und Joachim Gauck (präsidiale Nase!) Dr. Christian Gauck ist Leitender Oberarzt in Hamburg und verheiratet. Und er versteht bestimmt mehr vom Menschen als Huber oder Vosskuhle. Allerdings ist er Joachim Gaucks Sohn! (Ich dachte, Gauck lebt in wilder, kinderloser Ehe?) Daher neu kombiniert, gegoogelt und siehe da: Es gibt zwei JOACHIM WULFFs, die infrage kommen!!

Dem einen gehört das erfolgreichste Sanitärinstallationsgeschäft für Badewannen in Deutschland. Joachim Wulff ist zwar die zweite Wahl nach Christian Gauck, dafür aber offenbar wohlhabend und kein Schnäppchenjäger. Der andere Joachim Wulff gehört zu den erfolgreichsten Einzelhändlern für Obst und Gemüse in Hamburg. Er hat außerdem einen berühmten Vater, dem 1937 die Kristallisation des Gärungsenzyms Alkoholdehydrogenase gelang! Ohne ihn wüssten wir also gar nicht, wie viel Alkohol wir trinken dürfen, wenn wir danach noch Auto fahren wollen (Siehe Margot Käßmann!) Mein Favorit ist also dieser Joachim Wulff, sein sympathisches Foto: http://www.interweichert.de/uploads/pics/joachim-wulff_03.jpg

Den nehmen wir.

An dieser Stelle wechseln sich ab: Elena Senft, Moritz Rinke, Christine Lemke-Matwey und Jens Mühling.

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