Zeitung Heute : Motorentechnik: Das DaimlerChrysler-Werk in Berlin-Marienfelde

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Im Herbst wird gefeiert im DaimlerChrysler-Werk in Berlin-Marienfelde. Denn am 2. Oktober 1902 begann mit der Übernahme der im Marienfelde ansässigen Fahrzeugfabrik Altmann & Cie GmbH durch die Daimler-Motoren-Gesellschaft die nun fast 100-jährige Firmengeschichte eines der ältesten DaimlerChrysler-Werke - eine wechselvolle Geschichte, die mit Lkw- und Omnibusfertigung, den Bau von Dieselmotoren, dem Großmotorenbau für Schiffe, der Produktion schwerer Lkw, der Flugmotorenfertigung, schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau und der Einbeziehung in den Produktionsverbund aller Daimler-Benz-Werke im Jahr 1962 dazu geführt hat, dass Berlin zweitgrößtes Motorenwerk und ein wichtiger Systemlieferant für Motorenkomponenten geworden ist. So rollt heute kein Mercedes von den Fertigungsbändern, der nicht mit Teilen aus dem Werk Berlin ausgestattet ist, in dem rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Ob so wichtige Komponenten für den Öl- und Wasserkreislauf wie Öl- und Wasserpumpen oder aber Komponenten für die Ventilverstellung und Motorsteuerung wie Nockenwellenversteller, Kettenspanner, Zahnräder und Flansche - all diese Teile enstehen im Leistungscenter Komponenten und Teile des Berliner Werkes, das sich in diesem Bereich nicht nur auf die Produktion beschränkt. Denn auch Produktentwicklung, Konstruktion und Berechnung solcher Komponenten über den Prototypenbau und die Erprobung bis zur Serienproduktion gehören zum Aufgabenbereich der Marienfelder Ingenieure. Und sie bauen ihre Teile nicht nur für sämtliche Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart, sondern beliefern auch zahlreiche andere Automobilunternehmen, die nicht zum DaimlerChrysler-Konzern gehören.

Als Motorenwerk war Marienfelde nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals 1952 wieder aktiv - mit der Produktion wasser- und luftgekühlter Baureihen. Ein Jahrzehnt später wurden auch Nutzfahrzeugmotoren gebaut, 1986 wurde Marienfelde Standort für die Tauschmotorenfertigung und 1994 schließlich fiel die Entscheidung, das Werk zum zweiten großen Motorenwerk auszubauen. Als ersten wichtigen Großauftrag übernahm das Werk 1997 die Fertigung der Benzinmotoren für den Smart, dem zwei Jahre später der kleine direkt einspritzende Diesel für den superkompakten Zweisitzer folgte.

Spitzentriebwerke für die S-Klasse

Seitdem laufen in Berlin die Dreizylinder-Turbomotoren mit 0,6 Liter Hubraum und Leistungen von 33, 40 und 45 kW (45, 54 und 61 PS) vom Band, neben die als vierte Benziner-Variante der 52 kW (70 PS) leistende Motor für den Smart Crossblade tritt. Der seit 1999 gebaute 0,8-Liter-CDI-Motor leistet 30 kW (41 PS). Seit 1999 baut Berlin auch das Spitzentriebwerk für die S-Klasse und das S-Klasse Coupé CL, den 5,8-Liter-V12 mit Zylinderabschaltung und einer Leistung von 270 kW (367 PS), der bereits bei 4250/min sein höchstes Drehmoment von 530 Nm liefert. Im Herbst 2000 übernahm das Berliner Motorenwerk dann auch den Bau der derzeit stärksten Pkw-Turbodiesel. Der Achtzylinder-V-Motor mit Common Rail und einem

Hubraum von 4,0 Liter leistet 184 kW (250 PS) und liefert ein Drehmoment von 560 Nm. Auch die Varianten dieses Achtzylinder-CDI-Motors für die G-Klasse und M-Klasse laufen inzwischen in Berlin vom Band.

Und dann gibt es jene bereits kurz erwähnte Spezialität - den Bau von Tauschmotoren nämlich. Es ist eine gewaltige Typenvielfalt von Aggregaten, die hier wiederaufbereitet werden, denn in Berlin erleben mehr als 700 Motorvarianten ihr Comeback als Austauschmotor. Bei der Aufarbeitung werden Verschleißteile wie Lagerschalen, Kolben, Buchsen, Dichtungen, Keilriemen, Ventilsitze und Zündkerzen generell ersetzt.

Abgerundet wird die Motorenfertigung durch den Manufakturbereich - eine hochmoderne Montagelinie, auf der Serien-Neumotoren in kleinsten Losgrößen montiert werden können - Aggregate für Kleinserien, für Sonderfahrzeuge oder auch Auslaufmodelle und eben solche Spezialitäten, wie die neuen Maybach-Motoren.

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