Zeitung Heute : Motorrad: Wenn das vierzehner Maul ins Leere beißt

Andy Schwietzer

Wer von uns kennt das nicht? Nur mal kurz nach der Zündung schauen oder das Hinterrad ausbauen, weil schon wieder ein Reifen fällig ist. Speziell Besitzer japanischer Motorräder - und das dürften die meisten Leser sein - wissen, dass sie an diesen normalerweise verlässlichen Bikes spätestens als dritte Besitzer auf Muttern und Schrauben stoßen, die den Titel "lösbare Verbindung" nicht mehr zu Recht tragen.

Die Kombination von dürftiger Materialqualität in Verbindung mit einem Bordwerkzeug, das normalerweise kaum zum Öffnen einer Fischkonserve taugt, sorgt schon beim Vorbesitzer dafür, dass sich am Prachtbike etliche vergriesgnadelte Mutternköpfe und Kreuzschlitze finden. Wer nun versucht, mal rasch den Limadeckel abzunehmen oder die Vorderachsklemmung zu lösen, kann sein blaues Wunder erleben. Schraubendreher oder Maulschlüssel rutschen hilflos im Weichmetall. Irgendwann bleibt nur der Griff zu Mutternsprenger, Schlagschrauber, Schweißgerät oder Harakiri-Schwert, das in der eigenen Magengrube versenkt wird.

Nach 20-jähriger Praxis mit rund 40 Motorrädern, von denen das Gros preiswert erstandene Zweitakter japanischer oder ostdeutscher Provenienz waren, kann ich von derartigen Erlebnissen aus eigener Anschauung berichten. Auch in diesem Winter sollte aus zwei mehr oder minder kaputten Yamaha-Enduros wieder ein Motorrad entstehen, das Spaß macht. Daher konnte ich mit einer Menge vermurkster und/oder vergammelter Schrauben rechnen.

Durch den Tipp eines Freundes aus der Auto-Szene stieß ich auf einen Prospekt der Firma HS-Tools. Dort fand ich nicht nur die auf den seit rund 20 Jahren am Markt existierenden "Metrinch"-entwürfen basierenden, aber weiterentwickelten Ring/Maul-Schlüssel, sondern als Sonderangebot einen Ratschenkasten mit 3/8-Zoll-Antrieb, der mit 18 Nüssen von sechs bis 24 Millimeter fast jede an Motorrädern vorkommende Größe enthält. Mitsamt Umschaltknarre, zwei Kerzennüssen (16 und 21 Millimeter) und anderem Zubehör, darunter auch für das bei mir schon vorhandene Halbzoll-Ratschenmaterial war der Kasten für 150 Mark anstelle von 178 im Sack.

Das Besondere an diesem Werkzeug: Stecknüsse und Schlüssel fassen die Muttern nicht wie Standard-Schlüssel glattflächig, sondern mehrfach verschränkt. Dazu noch eine kleine Handvoll Nüsse mit Schlitz und Kreuzschlitz-Einsätzen, und es ging den Yamaha-Brocken ans Eingeweide. Um es kurz zu machen: Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Das Werkzeug kann jedem, der regelmäßig an seinen Maschinen arbeiten will, empfohlen werden.

Von der Qualitätsseite gehören die aus Chrom-Vanadiumstahl gefertigten Werkzeuge zu den Spitzenexemplaren und müssen den Vergleich mit bekannten deutschen Topmarken keinesfalls scheuen. Lebenslange Garantie ist ebenfalls ein Wort, das sich hören lässt. Vermackte Muttern und Schrauben mit abgerundeten Sechskantköpfen werden sauber gelöst, heile Muttern schonend auf den Weg gebracht.

Positiver Nebeneffekt der HS-Werkzeuge ist, dass viele Größen auch für Zollschrauben taugen und sie generell durch ihre Bauart verchromte und polierte Muttern viel schonender behandeln als konventionelle Nüsse. (Chopper- und Harleyfahrer aufgepasst!)

Wer sich und seinem Bike etwas Gutes tun will, kann hier getrost investieren. Die Werkzeuge lösen nicht nur Probleme, sondern sind generell erstklassig zum Arbeiten. Noch dazu sind sie vor Korrosion weitgehend geschützt und lassen sich gut sauberhalten. Bei normaler Pflege dürften noch die Erbberechtigten Freude an diesem Werkzeug haben, so dass hier der alte Rolls-Royce-Spruch passt: "Die Qualität bleibt bestehen, wenn der Preis schon lange vergessen ist!"

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