Zeitung Heute : Mozart und die Eifersucht

Das Schlossparktheater überrascht immer wieder – für den Intendanten Andreas Gergen ist das Programm

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Beim Fototermin kennt Andreas Gergen keine Angst. Beherzt hievt er sich auf den Schaukasten vor dem Schlossparktheater und balanciert auf ihm herum. Ein starkes Nervenkostüm würden ihm die Kollegen nachsagen, hat er zuvor erzählt. Das kann er auch gut gebrauchen, um mit seiner kleinen und traditionsreichen Bühne Halt in der Berliner Theaterlandschaft zu finden.

32 Jahre ist Gergen alt, seit 2004 leitet er die Geschicke der Bühne. Bundesweit kennen viele den lausbubenartigen Mann als Darsteller aus der Comedy-Fernsehserie „Familie Heinz Becker“, in er den Sohn Stefan spielt. Die Intendanz des seit 1921 bestehenden Traditionstheaters scheint eine große Last auf solch jungen Schultern zu sein. „Mit einer gewissen Leichtigkeit lässt sich jedoch jeder Druck aufnehmen“, sagt Gergen. Vier Stunden Schlaf habe er in dieser Nacht nur bekommen. Er hält das Theater immer in Bewegung: „Mein Konzept ist die Überraschung, wie zum Beispiel ,Pinkelstadt‘ durch die Berlin-Operette ,Wie einst im Mai‘ abgelöst wurde.“

Im Oktober 2004 feierte „Pinkelstadt“ Premiere, nachdem die kleine Bühne an der Schloßstraße beinahe zwei Jahre leer gestanden hatte. Der Start war nicht einfach, sagt Gergen: „Viele wurden vom Titel des Stückes abgeschreckt. Trotz der hervorragenden Presse war die Bude nicht zwangsläufig voll.“ Dass sich in dem Theater vieles tut, hat sich aber inzwischen herumgesprochen. „Wir haben ganz schnell eine Akzeptanz gekriegt und mittlerweile auch ein Stammpublikum.“

Einst stand das Haus ganz in der Tradition des Schauspiels, die durch den Regisseur Boleslaw Barlog und Schauspieler wie Hildegard Knef, Klaus Kinski oder Martin Held gefestigt wurde. Später leitete Heribert Sasse die Bühne. Dagegen lässt sich Gergen nicht auf eine Darstellungsform festlegen. „Meine These ist: Wenn man einen Weg eingeschlagen hat, sollte man auch wieder davon abweichen. Damit man immer überraschend bleibt und das Publikum neu fordert.“

Diese Philosophie schlägt sich in der Wahl der Stücke nieder. Auf „Pinkelstadt“ und „Wie einst im Mai“ folgten „Das Sams-Musical“ und „Die drei von der Tankstelle“. Seit dem 7. Februar bringen singende Ordensschwestern im Stück „Non(n)sens“ die Zuschauer zum Lachen. Für den 1. April ist Rolf Hochhuths „Nachtmusik“ geplant, die Proben beginnen in dieser Woche. „Es wird ein Schauspiel, aber trotzdem gibt es das Konzept von Musik. Denn es geht um die These, dass Mozart von einem eifersüchtigen Ehemann ermordet wurde, weil er etwas mit dessen Frau hatte“, erläutert der Intendant.

Gergen nennt sein Theater den „Broadway in Steglitz“. Im nächsten Jahr soll es mehr Uraufführungen geben. Und auch der eine oder andere bekannte Darsteller wird auf der Bühne stehen. „Namen kann ich aber nicht nennen“, sagt Gergen. So habe das Kleinod mit 430 Plätzen gute Karten in der Berliner Theaterlandschaft.

Die Stage Entertainment Germany, die auch das Theater des Westens und das Theater am Potsdamer Platz betreibt, stärkt dem kleinen Theater den Rücken. Finanzielle Höhenflüge kann sich das Schlossparktheater deswegen noch lange nicht leisten: „Weil Stage die großen Häuser hat und dahinter die große Kohle gewittert wird, vermuten Schauspieler zuerst mal andere Gagen bei uns. Aber das Budget errechnet sich anhand der Plätze, die wir haben“, sagt Gergen.

Der Job macht Gergen sichtlich Spaß, und die Zuschauerzahlen steigen. Der Pachtvertrag gilt zunächst bis 2009, bietet aber eine Verlängerungsoption, die Gergen nutzen will. Ein kleines Stück Broadway bleibt Steglitz also erhalten.mj

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