Zeitung Heute : MP3: Spiel mir das Lied vom Yepp

Kurt Sagatz

MP3 ist mehr als digitales Raubkopieren. Das Komprimierungsformat, das Musiktitel auf ein Zehntel ihrer vorherigen Größe schrumpft, erlaubt vielmehr einen völlig neuen Umgang mit Tondateien. Der größte Vorteil ist, dass nun erheblich mehr Stücke auf die Festplatte passen. Zudem wurde durch MP3 eine ganz neue Art von tragbaren Musik-Abspielgeräten möglich, den so genannten MP3-Playern.

Im Gegensatz zu Walkmans, tragbaren CD-Playern oder MiniDisc-Spielern kommen die neuen Geräte gänzlich ohne sich drehende Teile aus, da sich die Daten auf einem Chip befinden. Damit sind sie weitestgehend gegen Erschütterungen unempfindlich. Zudem können nun erheblich kleinere Geräte hergestellt werden, die sich nicht am Format der Speichermedien orientieren müssen. Die MP3-Player der ersten Generationen konnten allerdings nur dadurch faszinieren, dass sie diese innovative Technik überhaupt für den mobilen Einsatz erschlossen. Die eingeschränkte Spielzeit sowie der hohe Preis verhinderten jedoch, dass die neuen Technik-Spielzeuge auch an den Kassen der Elektronik-Geschäfte zum Erfolg werden konnten.

Interessanter sind neuere Geräte, wie beispielsweise der Samsung-Player Yepp YP 64 U. Mit rund 600 Mark ist das Gerät zwar noch immer teurer als ein vergleichbarer MiniDisc-Player. Dafür hat es einen hinreichend großen eingebauten Speicher. Die 64 Megabyte bieten Platz für eine Stunde Musik in CD-Qualität. Da jedoch die Ansprüche an die Qualität beim Fahrrad fahren oder Joggen zumeist niedriger sind als beim Abspielen über die Stereoanlage, kann sogar noch stärker komprimiert werden. Bei UKW-Qualität passen dann sogar zwei Stunden Musik auf den kleinen Player.

Mit dem größerem Fassungsvolumen der Mobilgeräte musste freilich auch die Verbindung zum Computer verbessert werden. Über die alte serielle Schnittstelle war der Datenaustausch nicht das wahre Vergnügen und die Nutzung des Druckerports hat den Nachteil, dass ständig die Kabel von MP3-Player und Drucker getauscht werden müssen. Besser ist somit die jetzt eingesetzte USB-Technik, die das Überspielen der Musiktitel erheblich vereinfacht. Bei den ersten Playern war es schon etwas nervig, dass die Geräte nach jedem Ausschalten den Zähler auf das erste Stück zurücksetzten. Der neue Yepp-Player merkt sich hingegen das letzte Lied und fängt beim erneuten Einschalten wieder damit an. Nett an diesem Gerät ist zudem das eingebaute Mikrofon. Praktisch ist überdies die externe Fernbedienung mit dem eingebauten Display. Wie auch bei den Geräten von Sony kann dank der Mini-Fernbedienung das eigentliche Gerät zum Beispiel in der Jackentasche verbleiben und dennoch vernünftig bedient werden.

Ein Vorteil der neuen Geräte ist zudem, dass sie - wie die Yepp-Serie - sowohl über einen internen Speicher verfügen als auch in der Lage sind, Wechselmedien einzusetzen. Beim Samsung-Gerät können beispielsweise SmartMedia-Karten genutzt werden, die die Abspielzeit entsprechend verlängern. Allerdings liegen die Tücken hierbei im Detail. Eine SmartMedia-Karte, die einmal zum Abspeichern von MP3 formatiert wurde, kann nicht weiter zum Beispiel in einer Digitalkamera verwandt werden. Weniger komfortabel ist hingegen das mit vielen Playern ausgelieferte Programm zur Komprimierung der CDs. Zwar erfüllt die RealPlayer Jukebox ihren Sinn, die im Wave-Format gespeicherten CD-Titel als MP3-Songs auf den Computer zu packen, doch damit ist dann auch schon Schluss. Dabei stellt sich für den Besitzer eines MP3-Players schnell das Problem, dass er seine CDs nicht nur auf den Computer ziehen will, sondern dann dort auch auf einfache Art verwalten möchte.

Eines der besten Programme zur Verwaltung der MP3-Archive, zum Erstellen von individuellen Playlists und sogar zum Brennen neuer CDs ist MusicMatch, das als Freeware über die Internet-Site www.musicmatch.com bezogen werden kann. Die Funktion der Software ist für die normalen Aufgaben nahezu selbsterklärend.

Gleichzeitig lässt das Programm genügend Raum für individuelle Einstellungen wie Programmverzeichnisse, die Komprimierungsqualität oder den Equalizer. Nicht nur für Besitzer eines MP3-Players, sondern auch für alle anderen Freunde des neuen Musikformats empfiehlt es sich, sich auch die anderen Funktionen genauer anzuschauen, um den vollen Nutzen aus dem Programm zu ziehen.

Ingesamt zeigen die Geräte der neuen Generation, dass auch bei den MP3-Playern viele Kinderkrankheiten inzwischen ausgeräumt wurden. Zwei Nachteile bleiben allerdings. Selbst wenn die Player über austauschbare Speicher verfügen, so sind diese doch zum einen im Vergleich zu CDs, MiniDiscs oder Kassetten sehr viel teurer. Dies gilt auch für die ersten Geräte mit kleinen Wechsel-Festplatten. Zum anderen dürfte auch der an sich schon hohe Kaufpreis viele Interessierte davon abhalten, sich stärker für diese innovative Technik zu interessieren.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!