Zeitung Heute : Müde und motiviert

Hartmut Scherzer

Die Burschen sind ein bisschen müde. Kein Wunder bei sechs Spielen innerhalb von zehn Tagen. Nach der siegreichen Vorrunde hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft nun die Prügelrunde gegen die ganz Großen hinter sich: 2:8 gegen Tschechien, 2:3 gegen Kanada, 1:7 (0:3, 0:3, 1:1) gegen Schweden. "Wir haben die drei Spiele überstanden, und ich bin zufrieden", sagte Bundestrainer Hans Zach und war doch froh, dass die sportlich eher bedeutungslose Runde vorbei ist.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Als Letzter der Gruppe C trifft Deutschland nun am Mittwoch im Viertelfinale auf den Sieger der Gruppe D - und der heißt im E-Center USA. "Das wird ein Hexenkessel", weiß Zach. "Aber wir haben nichts zu verlieren. Und Angst haben wir auch nicht mehr." Mut gemacht hat das 3:2 gegen Kanada, "eine Niederlage, die uns aufgerichtet hat", sagt Zach, den Eishockey-Idol Wayne Gretzky in einem ARD-Interview lobte: "Ich glaube, Hans Zach ist ein Supercoach. Er hat sein Team einfach klasse eingestellt. Deutschland hat sich das knappe 2:3 gegen Kanada redlich verdient und bei Olympia einen großen Satz nach vorne gemacht."

Die USA spielen ein ähnliches Eishockey wie die Kanadier. "Wenn wir mit dem gleichen Einsatz und der gleichen Einstellung wie gegen Kanada auftreten, haben wir gegen die Amerikaner eine Chance", glaubt Verteidiger Christoph Schubert. Das ist die Meinung aller deutschen Spieler. Dennis Seidenberger sagt: "Das körperbetonte Spiel der Kanadier und Amerikaner liegt uns eher als die Laufstärke der Schweden."

Gegen das Tempo und die Technik der Tschechen und der Schweden tun sich die Deutschen schwer. Sie staunen über deren Schnelligkeit und merken, wie langsam zu Hause in der Deutschen Eishockey-Liga gespielt wird. Es ging schnell, bis die Deutschen zurücklagen, wobei Torwart Christian Künast eine höchst unglückliche Figur machte. Zweimal rutschte der Puck durch die Schoner. "Danach waren wir frustriert und für die Schweden ein leichter Gegner", sagte Zach und handelte. Neun Schüsse aufs Tor, nur sechs abgewehrt - Grund genug , nach dem ersten Drittel dem dritten Torwart Robert Müller zu seinem ersten Olympia-Einsatz zu verhelfen.

Dieser Einsatz war nicht vorgesehen. Müller sollte nur einmal auf der Bank sitzen, damit Stammtorhüter Marc Seliger sich für das Viertelfinale ausruhen konnte. Müller hatte viel zu tun und hielt trotz vier weiterer Treffer prächtig, wie die Statistik beweist: 35 Schüsse auf sein Tor, 31 hat er abgewehrt. Die Schweden hatten ein Scheibenschießen veranstaltet. Und dennoch: "Ich habe es genossen, auf diesem Level Eishockey spielen zu dürfen, und bin froh, dass ich ein bisschen dazu beigetragen habe, dass die Niederlage im Rahmen blieb", sagte Müller.

Die Deutschen hatten sich mit nur vier Verteidigern wehren müssen, da die angeschlagenen Benda und Lüdemann geschont wurden. "Das war hart", klagte Denis Seidenberger, der mit einem Schlagschuss von der blauen Linie zwei Minuten vor Schluss das deutsche Überzahlspiel zum einzigen deutschen Tor nutzte. Zweimal hatten die Deutschen im ersten Drittel den Pfosten getroffen. Näslund (2), Sundin, Renberg, Johansson, Alfredsson und Holmstrom hießen die schwedischen Torschützen.

Schweden jetzt abgehakt. "Wir sind top motiviert für das Spiel gegen die USA", verspricht Hans Zach. "Wichtig ist, dass wir keine Verletzten haben, vier Blöcke aufs Eis stellen können und einigermaßen frisch sind. Dann werden wir auch ein gutes Spiel liefern." Von einem möglichen Sieg spricht Dauer-Pessimist Zach natürlich nicht.

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