Zeitung Heute : Müggelturm soll für Touristen attraktiv werden

Der Tagesspiegel

Köpenick. Bezirk und potenzieller Müggelturm-Investor ziehen an einem Strang: So hat sich Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) jetzt erstmalig öffentlich zum Konzept des international tätigen Kaufmanns Selim Kuzu geäußert. „Wir unterstützen die Pläne und sehen das Projekt als Chance, das heruntergekommene Areal wieder zu einem attraktiven touristischen Anziehungspunkt zu gestalten“, sagte der Bezirkchef auf der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung.

Wie berichtet, will Kuzu das rund 6500 Quadratmeter große Areal auf den Müggelbergen für rund 10 Millionen Euro umgestalten: Eine Burganlage soll entstehen, deren zentrales Element auch weiterhin der Müggelturm ist. Doch er wird anders aussehen, als der vor 41 Jahren errichtete Betonklotz. Der Köpenicker Architekt Ulrich Peickert entwickelte ein Bauwerk, das an den früheren hölzernen pagodenähnlichen Ausguck erinnert. Dieser Ausguck war im Mai 1958 abgebrannt. Bis auf den Turm will Kuzu alle vorhandenen Gebäude abreißen lassen. Dafür sind vier Restaurants, ein Mittelklassehotel, ein Wellness-Center sowie ein Theater und eine gartenartig angelegte, begehbare Wasseraufbereitungsanlage geplant.

„Wir wollen auf diesem Areal künftig keine ’niedlichen Familienausflügler’“, betonte Ulbricht, „sondern großen kommerziellen Tourismus für Berlin.“ Das Areal müsse ganzjährig bewirtschaftet werden. Natürlich ist sich auch der Bezirk darüber im Klaren, dass dieses Ziel nur durch gewaltige Einschnitte in der Umgebung des Müggelturms zu erreichen ist. Der Bürgermeister sieht nur mit dieser Strategie eine wirtschaftliche Zukunft für das Müggelturm-Gelände. Ulbricht fordert deshalb vom Senat Zugeständnisse. Er plädiert für „Ausnahmegenehmigungen, die eine kompaktere Bebauung ermöglichen“. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betrachtet das von Kuzu vorgelegte Konzept dagegen skeptisch. „Es ist überdimensioniert und würde den Charakter des Gebietes völlig verändern“, erklärte Pressesprecher Joachim Günther auf Anfrage. So könne es nicht angehen, dass der Investor plötzlich seine ursprüngliche Planung von 50 Hotelbetten auf 180 erhöhe. „Die massive Bebauung würde das Waldgebiet nicht vertragen“, macht Günther die Position des Senats deutlich. Dass man kompromissbereit sei, beweise die Änderung des Flächennutzungsplanes vor zwei Jahren, zugunsten einer Hotel- und Restaurantbebauung, sagt der Sprecher. „Wir sind trotzdem nach wie vor gesprächsbereit“, erklärt Günther. Jetzt werde aber erst einmal abgewartet, welche Unterlagen der Bezirk einreiche.

Baustadtrat Dieter Schmitz bereitet derzeit ein Bebauungsplanverfahren für das Müggelturm-Gelände vor. Zudem soll das Grundstück gemeinsam mit dem Liegenschaftsfonds in einem „Investorenauswahlverfahren“ ausgeschrieben werden, kündigt der Stadtrat an. Selim Kuzu, der nach eigenen Angaben mittlerweile rund 2,3 Millionen Euro in das Projekt für die Erarbeitung der Planungsunterlagen, Gutachten und Bodenproben steckte, ist optimistisch. „Auf den Müggelbergen könnte die erste Burganlage Berlins entstehen – das wäre doch eine Attraktion“, sagt er. Er hofft auf eine Kompromisslösung und betont, dass er „einen langen Atem“ hat. Etliche Interessenten scheiterten am Müggelturm. Hauptursache war zumeist der Streit mit den Denkmalschutzbehörden. Der Müggelturm kann nach wie vor besucht werden. Auch ein kleiner Imbiss steht zur Verfügung. Steffi Bey

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben