Zeitung Heute : „Müntefering wird gebraucht“

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Herr Maas, können Sie verstehen, dass ein Parteichef mitten in Koalitionsverhandlungen seinen Rückzug antritt, weil er den Wunschkandidaten nicht durchsetzen kann?

Das war in der Tat nicht zu erwarten, denn das SPDPräsidium hatte sich zuvor darauf geeinigt, das Votum des Parteivorstands für die Nominierung des Generalsekretärs unabhängig vom Ausgang zu akzeptieren. Deshalb hat niemand mit dem Rückzug von Franz Müntefering gerechnet. Wir müssen ihn aber respektieren.

Hat Müntefering damit die Koalitionsverhandlungen mit der Union destabilisiert?

Er steht für die Koalitionsverhandlungen als Parteivorsitzender weiter zur Verfügung und je nach Verlauf der Entscheidungen auch für das Kabinett. Damit ist er weiterhin mit von der Partie…

…als Parteichef auf Abruf. Kann Müntefering überhaupt noch Vizekanzler werden?

Die SPD muss alle offenen Personalfragen in den kommenden zwei Wochen bis zum Parteitag klären. Ich finde, dass Franz Müntefering als Vizekanzler und Minister für Arbeit und Soziales im Kabinett gebraucht wird.

Das SPD-Präsidium und der Vorstand werden am Mittwoch einen neuen Parteivorsitzenden nominieren. Wer soll es machen: Matthias Platzeck oder Kurt Beck?

Wir habe in den letzten Tagen erfahren, das öffentliche Personaldebatten ihre Tücken haben. Die Entscheidungen müssen in den Gremien diskutiert und getroffen werden. Beide Kandidaten sind für das Amt geeignet.

Ist Nahles der SPD-Basis noch vermittelbar?

Nahles hat im Vorstand über alle Lager hinweg Zuspruch erhalten. Insofern ist diese Entwicklung Ergebnis des Verhaltens des gesamten Parteivorstandes und nicht von Andrea Nahles. Wir müssen jetzt einen neuen Parteichef finden, um den sich das künftige Personal gruppiert. Ich bin der Auffassung, dass Andrea Nahles auch weiterhin eine wichtige Funktion in der Parteispitze ausführen soll.

Lag das deutliche Votum gegen Kajo Wasserhövel auch am Unmut in der SPD über einen autoritären Führungsstil?

Der Vorstand hatte die Wahl, sich mit Kajo Wasserhövel eng an die Regierung zu binden oder mit Andrea Nahles eine eigenständigere Rolle zu spielen. In den letzten Jahren ist das Bedürfnis nach einer lebendigen Partei gewachsen. Das hat sicher zu dem Abstimmungsergebnis am Montag beigetragen, keine Frage.

Heiko Maas ist SPD-Chef im Saarland.

Das Gespräch führte Stephan Haselberger.

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