Zeitung Heute : Multikulti im Hörsaal

Die FHTW empfängt jedes Jahr Studierende aus aller Welt

Eick L

Multikulti hat Berlin nicht nur auf den Straßen zu bieten. Auch die Fachhochschulen empfangen jedes Semester viele Gäste aus aller Welt. Farid Mohammadi aus Lyon beispielsweise studiert seit einem Jahr an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Karlshorst.

Er hat sich in das Masterstudium für Business Administration and Engineering (MBA) eingeschrieben, zu deutsch: Unternehmensführung mit technischem Schwerpunkt oder auch Wirtschaftsingenieurwesen. Der 23-Jährige kam aus Lyon, weil ihn die interkulturelle Atmosphäre in der Stadt und an der Hochschule gereizt hat: „In unserem Kurs sind wir 15 Leute, darunter viele Südamerikaner“, erzählt er. „Da sind elf Nationen vereint. Wir sprechen Englisch, deutsch und spanisch gleichermaßen.“

Bevor Farid Mohammadi nach Deutschland kam, hat er in Belfort an der Ecole du Commerce studiert, ein achtsemestriges Diplomstudium in Betriebswirtschaftslehre. Danach ging er zwei Jahre nach Chile. „Das macht es mir jetzt leicht, mit den Kommilitonen aus Südamerika oder aus Mexiko zu sprechen“, erläutert er. „Wir sitzen oft zusammen, um in Teams unsere Studienprojekte zu bearbeiten.“

Das Masterstudium ist als weiterführendes Studium für junge Leute gedacht, die bereits einen Abschluss in der Tasche haben. Es dauert drei bis vier Semester, dafür müssen die Studenten rund 6000 Euro berappen. Farid Mohammadi hat sich die Summe bei seinen Eltern geliehen, denn er weiß, dass das Geld gut angelegt ist. „Wenn ich den MBA in der Tasche habe, kriege ich in Frankreich oder im Ausland ganz sicher einen guten Job“, meint er. „In unserem Studium hier in Berlin bringen wir kaufmännisches und betriebswirtschaftliches Wissen mit den Grundlagen der Technik zusammen. Später, in meiner beruflichen Laufbahn, wird es vor allem mein Job sein, Teams zu führen, in denen Kaufleute und Ingenieure an einem Tisch sitzen. Dazu muss ich ihre Sprache sprechen, ihre Denk- und Arbeitsweisen verstehen.“

Die FHTW bietet ihren Gästen unter anderem vertiefende Kurse im internationalen Controlling, im Finanzwesen, im Umgang mit Datenbanken, in Personalführung, Produktentwicklung und Produktionstechnik an. Der internationale Anspruch des Studiums erschöpft sich nicht in der Zusammensetzung der Kurse. „Zusammen mit Studenten von der Universität in Glasgow haben wir neue Produkte entwickelt und über Videokonferenzen die Strategien zur Markteinführung, zur Herstellung und die Preisbildung besprochen“, erzählt Mohammadi. „Das war eine tolle Sache, denn dabei konnten wir auch unser Englisch ordentlich verbessern.“ Fast zwei Drittel der Lehrveranstaltungen des Masterstudiums finden in der Geschäftssprache der globalen Wirtschaft statt.

In einem zweiten Projekt mussten die Studierenden einen kompletten Businessplan aufstellen, durchrechnen und präsentieren. Zu den rund zwanzig Stunden in der Woche, die für Seminare, Praktika und Vorlesungen draufgehen, kommen auf die Weise gut und gern noch mal zwanzig Stunden für Selbststudium, Teamwork an Projekten und Hausarbeiten. Nicht gerechnet die Wegzeiten, denn Farid Mohammadi hat sich eine Wohnung in Kreuzberg gesucht. Die meisten seiner Kommilitonen haben das Angebot der Hochschule angenommen und sind im Wohnheim in unmittelbarer Nähe zum Campus in Karlshorst untergekommen. Doch er bevorzugt Multikulti, auch in seiner Wohnumgebung, beim Einkauf oder beim Kaffee an der Admiralbrücke: „Hier in Kreuzberg fühle ich mich wohl“, meint er. „Es ist ein wunderbarer Kiez.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!