Zeitung Heute : Multimedia Home Platform: Schluss mit dem Dekoder-Wirrwarr

Rainer Bücken

Das digitale Fernsehen hat nicht überall den besten Klang. Viele fühlen sich von bestimmten Programmen ausgesperrt und vor allem zur Nutzung von Geräten gezwungen, die längst nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Die freie Wahl soll künftig die Multimedia Home Platform (MHP) ermöglichen, die auf der Internationalen Funkausstellung bei zahlreichen Ausstellern zu sehen sein wird. Über den Stand dieser Technik wurde gestern anläßlich des "medienforum 2001" informiert.

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IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends Die MHP ist eine Software, die in jedem dafür vorgesehenen Empfangsgerät Anwendungen und Programme laufen lässt, die von jedem Anbieter stammen können. Während nämlich bislang ein Unternehmen - beispielsweise Kirch - alles in einer Hand behielt und innerhalb dieser so genannten vertikalen Integration selbst Geräteherstellung und Vertrieb kontrollierte, sollen diese Verbindungen künftig aufgelöst werden. "Wir wollen keine proprietären Systeme, sondern offene Standards", erklärte MHP-Experte Ulrich Reimers von der TU Braunschweig anläßlich des MHP-Forums 2001. Künftig sei vor allem der Zugang zum Internet möglich, wobei zwischen Netz- und Fernsehanwendungen einfach umgeschaltet werden kann. Ideal sei dazu eine schnelle Verbindung über einen DSL-Anschluss oder das mit Rückkanal versehene Kabelnetz, was freilich noch auf sich warten läßt.

Mit MHP werden Softwareapplikationen wie elektronische Programmführer, Spiele, E-Commerce-Angebote, Börsenticker oder Internet-Browser möglich. Reimers selbst favorisiert eine Anwendung, mit der das Golfspiel transparenter werden soll. "MHP bringt auf Knopfdruck Zusatzinformationen über den Kurs oder den Punktestand der Spieler." Viele Anbieter möchten damit ihre E-Commerce-Aktivitäten verstärken.

Zahlreiche Unternehmen wie Panasonic, Philips, Sony oder Nokia zeigen entsprechende Set-Top-Boxen oder integrierte Fernseher; bei ARD, ZDF, RTL, Astra, Beta Research, Fraunhofer und dem IRT und vielen anderen Ausstellern gibt es entsprechende Programme zu sehen. Die ersten Geräte könnten noch zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommen - aber erst im Laufe des nächsten Jahres ist mit einem großen Angebot zu rechnen.

Die werksseitigen Mehrkosten bezifferte Wilfried Geuen, Leiter des Panasonic European Laboratories in Langen, mit bis zu 200 Mark. "Bis zum Jahr 2005 sind MHP-Boxen aber nicht teurer als einfache Boxen", so Geuen. MHP wird auch weltweit das Digitalfernsehen in Schwung bringen, selbst in den USA und Japan gibt es entsprechende Aktivitäten. In Finnland wird ein entsprechender terrestrischer Digitaldienst am kommenden Montag gestartet.

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