Zeitung Heute : Museum in Zittau: Durch die Mauer

Das Museum hat täglich außer montags vo

Der Weg zum "Großen Zittauer Fastentuch" führt durch eine Friedhofsmauer. Der Eingang des Museums "Kirche zum Heiligen Kreuz", in dem das einzigartige Kunstwerk gezeigt wird, ist eng und lässt die Besucher nur einzeln passieren. "Das gehört zur Konzeption", unterstreicht Architekt Rolf Lemberg. Für einen Augenblick könnten die Gespräche ruhig verstummen - als Zeichen der Erwartung.

Die großen Eingangstüren der fast 600 Jahre alten Begräbniskirche bleiben dagegen geschlossen. Dadurch sollen klimatische Schwankungen vermieden werden, die dem Fastentuch aus dem Jahr 1472 schaden könnten, erläutert Lemberg. Seinen endgültigen Platz hat das Tuch denn auch in einer riesigen Vitrine im Chorraum der spätgotischen Hallenkirche gefunden, in der für die richtige Luftfeuchtigkeit gesorgt ist.

Damit wird die 1990 für den symbolischen Kaufpreis von einer Mark von der Stadt Zittau erworbene Kreuzkirche zum Museum. Hinter sich hat sie eine wechselvolle Geschichte: Nach böhmischem Vorbild entstanden, gehörte der Sakralbau Anfang des 15. Jahrhunderts zu den neu konzipierten Pfarrkirchen in Obersachsen und bis 1521 zum Erzbistum Prag. Nach einem Brand im 30-jährigen Krieg erhielt die Kirche eine völlig neue Innenausstattung, die im 18. Jahrhundert erweitert wurde.

Nach 1972 sei das leerstehende Bauwerk mehrfach geplündert und beschädigt worden, sagt der Zittauer Oberbürgermeister Jürgen Kloß. Engagierte Bergsteiger hätten 1986 in "Feierabendtätigkeit" das Dach und damit die Kirche gerettet. Die sechs Millionen Mark teure Sanierung des Sakralbaus erfolgte in den vergangenen beiden Jahren.

Auch das von dem Zittauer Gewürzhändler Jakob Gürteler gestiftete Fastentuch hat bewegte Zeiten hinter sich. 200 Jahre lang hatte es während der 40-tägigen Fastenzeit den Altar der Johanniskirche abgedeckt. Danach galt es als verschollen und wurde erst 1840 in der Ratsbibliothek der Stadt wiederentdeckt. Von 1842 bis 1876 war es in einer Dresdner Ausstellung zu sehen, bis 1945 wurde es nur noch wenige Male gezeigt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fanden sowjetische Soldaten das Tuch und benutzten es für den Bau einer Sauna. Zerrissen und bis zur Unkenntlichkeit verblasst kam das Fastentuch schließlich in das Museumsdepot der Stadt Zittau, wo es "aus ideologischen Gründen" bis 1990 blieb. Mitte der 90er Jahre setzten Restauratorinnen der Schweizer Abegg-Stiftung das Puzzle aus 16 Einzelteilen zusammen und nähten es auf eine Stützleinwand. Die "Zeichen der Zeit" auf dem Kunstwerk seien trotzdem sichtbar geblieben, sagt Architekt Lemberg. Aber das sei kein Problem. Im Gegenteil: "Philosophen und Schreiber" könnten sich inspirieren lassen.

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