MUSICAL-KLASSIKER„Kiss me, Kate“ : Let me entertain you!

Frederik Hanssen

„Die Stimme der Kritik“ war begeistert: „Eines der wichtigsten Ereignisse für das Theater in den letzten Jahren überhaupt“, schwärmte Friedrich Luft nach der Berliner Erstaufführung von Cole Porters „Kiss me, Kate“ und bekannte, er würde am liebsten künftig „jeden Abend dort verbringen“.

Bis 1963 „My Fair Lady“ auftauchte, war „Kiss me, Kate“ das erste und einzige Musical, das sich an deutschen Nachkriegsbühnen etablieren konnte. Und eines der Highlights des Genres ist die 1948 am Broadway uraufgeführte Entertainment-Adaption von William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ bis heute geblieben. Wie die Librettisten die Story des Klassikers mit einer turbulenten Backstage-Handlung verknüpfen, ist Boulevard-Theater vom Feinsten – und Cole Porter hat mit „Wunderbar“, „Es ist viel zu heiß“, „Schlag nach bei Shakespeare“ oder „Premierenfieber“ einige seiner besten Songs geliefert, die allesamt Evergreens wurden.

Wer allerdings noch die deutschen Texte von 1955 im Ohr hat, die Günter Neumann kongenial auf Porters Musik gelegt hat, wer sich an den legendären Querschnitt in der Besetzung mit Olive Moorefield und Peter Alexander erinnert, der muss bei der Premiere am Sonnabend ganz tapfer sein. Denn Regisseur Barrie Kosky hat sich von der Komischen Oper eine ganz neue Übersetzung gewünscht. Und auf Pseudo-Renaissance-Kostüme, wie man sie aus dem 1953er-Film kennt, wird er auch verzichten. Am Geist des Werkes allerdings will Kosky nichts ändern. Für seine erste Musical-Inszenierung hat er sich das Motto gestellt: „Entertain me!“ Frederik Hanssen

Komische Oper, Sa 31.5., 19 Uhr (Prem.),

ab 18 € BJ691

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