Zeitung Heute : Musik, Musik, Musik

Helmut Schümann

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Paul macht Hoffnung, Paul hat einen Plan. Als erster hatte Markus die Idee, der Mitpubertist. Markus will sich jetzt eine Gitarre zulegen, Alex, auch ein Mitpubertist, hat ein Saxophon. Und Paul will im Trio den Schlagzeuger machen. „Super Idee“, sagte der Vater, „und wer in eurem Trio kann spielen?“

„Oh Mann“, sagte Paul, „dein Tom Waits kann auch nicht singen und tut es doch.“

Der Vater wollte noch wissen, was denn mit Noten sei. „Deshalb Schlagzeug“, sagte Paul, „Schlagzeuger variieren keine Tonhöhen, Schlagzeug ist ein Rhythmusinstrument. Von Musik hast du wohl gar keine Ahnung.“

Pauls musikalische Ader war der Familie bislang verborgen geblieben. Manche Adern treten eben erst nach 17 Jahren zu Tage. Der Vater sucht seine eigene immer noch. „Wir diskutieren noch, welche Stilrichtung wir spielen werden“, sagte Paul, „Independent oder Ska oder Punkrock.“ Hauptsache, die Jungs sind von der Straße, dachte der Vater.

Zurück zur Hoffnung. „So ein Schlagzeug ist laut, oder?“, sagte der Vater. „Erstaunlich, was du alles von Musik weißt“, sagte Paul. „Wir wohnen zur Miete im zweiten Stock“, sagte der Vater. „Ja, und?“, sagte Paul. „Man könnte deine Schlagzeugübungen als störend empfinden“, sagte der Vater. „Wenn die über uns durch die Wohnung trampeln, empfinde ich das auch als störend“, sagte Paul, „wir machen Musik, Musik ist Harmonie und Emotion.“

Und wo bleibt die Hoffnung? „So ein Schlagzeug ist teuer, oder?“, sagte der Vater. „Du bist wirklich erstaunlich gut informiert“, sagte Paul, „für deine Verhältnisse.“ „Ja, und?“, sagte der Vater. „Ich suche schon nach einem billigen und gebrauchten für den Anfang, dann nehme ich Unterricht und sehr schnell wird das Haus erfüllet sein von Harmonie und Emotion.“

Dem Vater kam ein Gedanke. „Paul, wo soll das Schlagzeug stehen?“ „Bei mir im Zimmer natürlich“, sagte Paul. „Wir reden von jenem Zimmer, in dem nichts an seinem Platz ist, in dem der Müll sich türmt, in das man nicht treten kann, weil ein Boden nicht zu sehen ist?“, sagte der Vater. „Ich räume auf“, sagte Paul. Hoffnung, dachte der Vater, wunderbare, hoffnungsspendende Musik.

Schlagzeugunterricht bietet neben anderen die Drumfactory, Telefon (0172) 1756376

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