MUSIKKOMÖDIE„Walk hard: The Dewey Cox Story“ : Karate mit Elvis

Bodo Mrozek

Dewey Cox hat alles, was ein Rockstar braucht: eine Stimme, eine Gitarre, und einen Schrank voller Kostüme. Was ihm noch fehlt, ist ein Lied. Zum Glück ist er als Kind in das Fass mit musikalischem Zaubertrank gefallen – er hat den Blues von einem alten Farmarbeiter gelernt. Bei den Texten kommt ihm das eigene Leben zu Hilfe. Immer wenn darin etwas schief geht, macht Cox einen Song daraus. So bekommt die Musik die nötige Tiefe und der Rest ergibt sich quasi von selbst: Bald bewegt er sich virtuos im Bermuda-Dreieck aus Drogen, Sex und Geld.

„Walk Hard“ wiederum hat alles, was eine Pop- Biografie braucht: Die Geschichte von Auf- und Abstieg, Ruhm und eine Portion Tragik und eine Handvoll Songs für den Soundtrack. Dass es den Helden nie gegeben hat, ist dabei beinahe egal. Denn Dewey Cox trifft so ziemlich alle musikalischen Größen seiner Zeit: Er übt mit Elvis Karate, jammt mit den Beach Boys und kifft mit den Beatles. Die Komödie beginnt mit einem Roadie, der backstage herumrennt und völlig außer Atem nach dem Star sucht: „I need Cox, I need Cox!“. Auch sonst wird kein dummer Witz ausgelassen. Dewey Cox ist ein harmloser Trottel, der mit dem Charme des Naiven offen sagt, was die echten Popstars hinter ihrer Maske aus Tragik oder Coolness mehr oder weniger verbrämen: Warum wollt ihr mich daran hindern, ein hemmungsloser, sexbesessener Egoist zu sein, der mit hohlen Lieder viel Geld verdienen möchte? Für diese Ehrlichkeit muss man den bekennenden Ehebrecher, Rabenvater und Gewohnheitsjunkie einfach gerne haben. So stolpert er als tumber Tor durch die amerikanische Populär-Geschichte. Keine Metamorphose, die er nicht mitmacht: Beatniks, Hippies, Glam-Rock, alles zieht vorbei und wird mitgenommen. Als Musiker verfügt Cox über die nötige Eigenschaftslosigkeit, um alle Moden und Zeitgeistströmungen aufzusaugen wie ein Schwamm. Diese Gabe teilt er mit einigen real existierenden Evergreen-Stars.

Als Komödie funktioniert „Walk Hard“ ganz ordentlich. Weit besser aber wirkt er als Entzauberungstherapie. Der Auf-, Ab-, und Wiederaufstieg des Dewey Cox ist in weiten Teilen eine Quatschgeschichte des 20. Jahrhunderts. Von Mythenbildung, Popstarkult und großen Biopics hat man danach erst einmal genug. Und das ist mehr als man von Comedy normalerweise erwarten darf. Witzige Biopic-Satire. Bodo Mrozek

„Walk hard“, USA 2008, 96 Min., R: Jake Kasdan, D: John C. Reilly, Jenna Fischer, Kristen Wiig

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