Zeitung Heute : Musikportale: Bertelsmann: Keine Gefahr für Napster

Bertelsmann sieht in anderen kostenlosen Musikportalen wie Gnutella und iMesh keine Konkurrenz für die Tauschbörse Napster. Verglichen mit Napster sei deren Nutzergemeinde "winzig" und die Technik zu kompliziert, sagte der Sprecher der Bertelsmann eCommerce Group, Alexander Adler. Gerüchte über den Aufbau eines eigenen alternativen Online-Vertriebskanals wies Adler erneut zurück. Medien hatten in den vergangenen Tagen berichtet, das Gütersloher Medienunternehmen entwickle für den möglichen Fall einer Schließung der Tauschbörse unter dem Namen "Snoopstar" einen Napster-Clon. "Snoopstar" sei lediglich eine Bertelsmann-Tochter unter vielen.

Im Streit um die Zukunft der Internet-Plattform hatten Experten darauf hingewiesen, dass Musikliebhaber ausreichend kostenlose Alternativen zu dem in Zukunft kostenpflichtigen Napster haben. Während bei Napster der Datenaustausch über einen zentralen Rechner koordiniert wird, befindet sich das Tauschprogramm von Gnutella lediglich auf den Computern der Nutzer. Bei Verletzung gegen Urheberrechte erschwert die so genannte Peer-to-peer-Technik eine Strafverfolgung, da kein einzelner Server-Betreiber zur Verantwortung gezogen werden kann. Inzwischen deuten sich jedoch auch bei Gnutella erste Probleme an. Der Süßwarenhersteller Ferrero setzte gerichtlich eine einstweilige Verfügung gegen den Betreiber der Webseite www.gnutella.de durch. Der Grund: Der Ruf des Brotaufstrichs Nutella sei in Gefahr.

Napster ist trotz der Auseinandersetzungen in Europa auf Erfolgskurs. In Deutschland wurde die zur Nutzung der Tauschbörse nötige Software einer Studie zufolge im Januar 2001 von insgesamt 1,23 Millionen Besuchern genutzt. Die höchste Reichweite konnte Napster mit 21,6 Prozent in Spanien verbuchen. An zweiter Stelle folge Italien mit einer Reichweite von 156 Prozent, auf Platz drei rangiert Deutschland mit 10,2 Prozent. Damit sei Napster in den südeuropäischen Ländern sogar noch beliebter als im Mutterland USA, wo sie eine Reichweite von 14,1 Prozent unter den privaten Nutzern verbuchte.

Ob und in welcher Form die Musiktauschbörse ihre Dienste weiter im Internet anbieten wird, ist weiter fraglich. Ein US-Gericht hatte eine von der Musikindustrie angestrengte einstweilige Verfügung wegen Urheberrechtsverletzung in Grundzügen bestätigt. Ein milliardenschweres Angebot lehnte die Plattenindustrie ab. Am 2. März soll die Auseinandersetzung zwischen Napster und den führenden Plattenfirmen vor Gericht weiter geführt werden. Der Gütersloher Medienkonzern will jedoch an der Kooperation mit Napster festhalten. Ab kommendem Sommer wollen die Partner das Musik-Angebot mit einem neuen Geschäftsmodell kostenpflichtig betreiben.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben