MUSIKTHEATER„Orpheus Britannicus“ : Selbstfindung in Kriegszeiten

Carsten Niemann

Im England des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts waren sie populärer als gewöhnliche Opern: Die sogenannten „Semi-Operas“, die eine gleichberechtigte Mischung aus Schauspiel und Musik anstrebten und deren unbestrittener Meister Henry Purcell, der „Orpheus Britannicus“ war. Nun hat der Autor und Regisseur Lars Wernecke den Versuch gewagt, das vergessene Genre neu zu beleben. In der Form einer Semi-Opera erzählt er von der Rückkehr des Komponisten Benjamin Britten und seines Lebensgefährten Peter Pears 1942 aus dem nordamerikanischen Exil: eine von Traumepisoden durchwirkte Geschichte einer Selbstfindung zu Zeiten des Krieges, die gleichzeitig auch von der Begegnung des neuen „Orpheus Britannicus“ mit der Musik seines Vorgängers Henry Purcell berichtet.

Hauptakteur des musikalischen Schauspiels, bei dem Teile aus Brittens „War Requiem“ sowie Purcells Semi-Opera „The Fairy Queen“ erklingen, werden die Vocal-Concertisten sein: Der mehrfach preisgekrönte junge Kammerchor aus semiprofessionellen Sängern, die sich aus dem ganzen Bundesgebiet zusammenfinden, wurde 1987 von dem Potsdamer Dirigierprofessor Kristian Commichau gegründet. Neben Ausflügen in das Opernrepertoire widmete sich der Chor in der Vergangnheit immer wieder erfolgreich speziellen Programmen, bei denen die Verbindung von gesprochenem Wort und Musik im Vordergrund stand – darunter übrigens auch die Semi- Opera „King Arthur“ von Henry Purcell. Keine schlechten Voraussetzungen dafür, dass aus dieser Semi-Opera eine ganze Sache wird. Carsten Niemann

Heilig-Kreuz-Kirche, Sa/So 12./13.7., 19 Uhr,

Nikolaisaal Potsdam, Do 10.7., 19 Uhr, 12-15 €

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