Zeitung Heute : Muskeldehnung on the job

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Ihr wichtigstes Arbeitsgerät trägt Rita Kehl-Landwehr immer bei sich: ihre beiden Hände. Für die Massagen am Arbeitsplatz, die sie anbietet, kommt allerdings noch ein wichtiges Utensil hinzu: der Massagestuhl. Zusammengeklappt auf einem Oma-Einkaufskuli hat sie das rund zehn Kilo schwere Teil immer auf ihren „Patienten“ - Besuchen dabei. „So ein Stuhl kostet rund 1000 Euro, aber das ist auch schon der einzige Posten meiner Existenzgründung“, sagt Kehl-Landwehr. Die Mutter von zwei Kindern arbeitete lange Zeit als Physiotherapeutin, doch nach einem Kolumbien-Aufenthalt stand für sie fest: nie wieder zurück ins Angestelltenverhältnis. Dazu kam, dass die Zahl der Krankengymnastikpraxen sowieso schrumpfte.

Die Idee eines mobilen Massage-Angebots verdrängte den Traum, eine eigene Krankengymnastik-Praxis aufzubauen. Die „Akupressur auf Kleidung“-Technik erlernte Kehl-Landwehr in mehreren Lehrgängen. Seit Anfang 2001 verdient sie in Berlin damit ihren Lebensunterhalt. Etwa ein Dutzend Kunden besucht die 40-Jährige jeden Tag in den Büros der Stadt. Der Massagestuhl mit der gepolsterten Auflage für Kopf, Brust, Arme und Knie ist für viele Kunden ein Novum. „Doch wer einmal darauf gelegen hat, will meist gar nicht mehr auf der Bank massiert werden“, hat Kehl-Landwehr beobachtet. In den Firmen gibt die Masseurin eine Ganzkörpermassage auf Akupressur-Basis, kombiniert mit Gelenkmobilisation und Muskeldehnung. Vorteilhaft ist dafür ein separater Raum in der Firma, da die Kunden manchmal auch über intime Details des Körpers sprechen.

Eine 20-minütige Massage am Arbeitsplatz kostet 15 Euro, wenn mindestens sechs Personen in einer Firma buchen. Bei drei bis fünf Personen erhöht sich der Preis auf 18 Euro. Die Kunden bezahlen fast immer selbst. Die Zeiten, in denen Start-Up Firmen ihre Mitarbeiter großzügig mit Massagen und anderen Wohltaten verwöhnten, sind erst einmal vorbei. de

Rita Kehl-Landwehr, 42029162 und 0174/8298762, www.physioenergy.de

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