Zeitung Heute : MUSS BERLIN MEHR IN DIE SCHULE INVESTIEREN?

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Thilo Sarrazin, Finanzsenator in Berlin

Mehr Geld für Bildung, das ist immer eine zunächst einmal sympathisch und sinnvoll erscheinende Forderung: Die Bildung unserer jungen Menschen ist für Berlin und unser Land die entscheidende Zukunftsressource. Aber es gilt für jede, noch so sinnvolle öffentliche Ausgabe: Sie muss gegen andere, ebenfalls sinnvolle Ausgaben abgewogen werden, weil jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann. Und: Sie findet unter bestimmten Rahmenbedingungen statt – in Berlin ist das vor allem die „extreme Haushaltsnotlage“, also der grundsätzliche Zwang, unsere Ausgaben als Land deutlich einzuschränken.

Pauschal „mehr Geld für Schulen“ zu fordern, macht für Berlin nicht viel Sinn. Allein schon wegen der sinkenden Schülerzahl können und müssen wir Ausgaben zurückführen, weil weniger Schüler auch weniger Schulen und Lehrer brauchen. Dass wir in den letzten Jahren mehr in die Qualität der Schulen investieren konnten, liegt daran, dass wir einen Teil der Ressourcen nicht abgebaut, sondern bewusst in pädagogische Verbesserungen investiert haben.

Eine simple Wahrheit in diesem Zusammenhang: Berlin gibt, anders als Manche vermuten, im Vergleich alles andere als wenig für die Bildung aus – im Gegenteil. Es liegt unter den Bundesländern ganz weit oben. Mit 5200 Euro pro Schüler und Jahr nehmen wir einen Spitzenplatz weit über dem Durchschnitt ein. Unsere Ausgaben für Kitas, die als Bildungseinrichtungen an Bedeutung gewinnen, liegen ganz weit vorn, vom Geld für die Berliner Hochschullandschaft ganz zu schweigen. Das Problem ist, dass wir mit diesem Geld bislang noch nicht überall entsprechend gute Ergebnisse erreichen. Probleme von Qualität und Effizienz lassen sich aber nicht lösen, indem man in überdurchschnittlich ausgestattete Bereiche noch mehr Geld gibt – erst recht nicht, wenn man gar keines hat.

Berlin beschäftigt weitaus mehr Lehrer im Verhältnis zur Schülerzahl als andere Länder – gerade auch als solche, die uns bei Pisa um Längen geschlagen haben. Wir müssen also herausfinden, wie wir aus unserem hohen Einsatz von Geld und Personal im Interesse unserer Kinder mehr machen – weil wir uns eine Vergeudung von Ressourcen nicht erlauben können. Ein genauerer Blick ergibt klare Hinweise, warum diese Ressourcen nicht im notwendigen Umfang „ankommen“, wo sie hingehören. Ein Beispiel ist das Berliner System des Teilungsunterrichts: Es bindet enorm viele Lehrerstellen, obwohl die Wissenschaft sagt, dass in den kleineren Gruppen nicht automatisch besser gelernt wird. Hier stimmt aus meiner Sicht das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis nicht. Es gibt weitere Beispiele, die man diskutieren kann und muss. Nach dem Grundsatz der Effizienz: Mit 22 Prozent mehr Lehrern als Bayern sollten wir möglichst bald auch mindestens ebenso gute Pisa-Ergebnisse erreichen.

Es muss in der Bildungspolitik das Gleiche gelten wie auf anderen Politikfeldern: Es kommt nicht darauf an, möglichst viel Geld auszugeben, sondern es richtig, intelligent und zielgenau einzusetzen und damit möglichst viel zu erreichen.

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