Zeitung Heute : Muss es eine Brille sein?

NAME

Von Andreas Austilat

Ein kurzer Druck, ein Moment der Dunkelheit, dann wird es der Patientin hell vor Augen. Sie spürt nichts, hört nur den Laser, der computergesteuert, mikrometergenau und berührungsfrei eine Mulde in die Hornhaut ihres Auges brennt. Nach anderthalb Minuten ist alles vorbei. Eine halbe Stunde später wird sie die Praxis verlassen. Mit neuer Sehschärfe, ihre Brille braucht sie nicht mehr, so verspricht es das "Lasik-Zentrum Berlin", auf deren Homepage die Patientin ihr Operationserlebnis veröffentlicht hat.

30 000 Menschen lassen nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte allein in Deutschland jedes Jahr ihre Sehschärfe mit dem Laser korrigieren. Und das, obwohl Kassenpatienten die rund 2000 Euro pro Auge aus eigener Tasche bezahlen müssen, nur Privatpatienten können eventuell mit einem Zuschuss rechnen. Doch die Aussicht, künftig ohne Brille und ohne Kontaktlinsen wieder scharf sehen zu können, scheint ihnen das allemal wert zu sein.

Eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte, die allerdings leicht über zwei Dinge hinwegtäuscht: Die Laser-Op wird die Brille keineswegs für alle Zeiten ersetzen. Und der Kreis der Patienten, die für solch einen Eingriff infrage kommen, ist begrenzt.

Das Prinzip des Verfahrens ist einfach: Die Hornhaut des Auges wird gleichsam neu modelliert. Vereinigen sich die Lichtstrahlen vor der Netzhaut, produzieren sie ein unscharfes Bild. Wird die Hornhaut beim Kurzsichtigen abgeflacht, ihre Brechkraft damit geschwächt, treffen die Strahlen im Idealfall wieder in einem Brennpunkt auf der Netzhaut zusammen. Bei Weitsichtigen wird umgekehrt durch ringförmigen Abtrag mittels Laser die Hornhaut im Zentrum erhöht.

Zwei Methoden sind heute am weitesten verbreitet. Bei der älteren, Photorefraktiven Keratektomie, kurz PRK, wird die oberste Schicht der Hornhaut abgeschmolzen. Zu den Risiken dieser Methode zählt eine etwaige Narbenbildung auf der Hornhaut, die eine Nachbehandlung erforderlich machen kann. Außerdem leidet der Patient ein bis zwei Tage unter Schmerzen, und der Erfolg des Eingriffs zeigt sich erst nach etwa drei Tagen. Durchgesetzt hat sich das neuere Lasik-Verfahren, bei dem die oberste Schicht der Hornhaut eingeschnitten und weggeklappt wird. Der Laser greift in die Hornhautschicht darunter ein, danach wird die oberste Schicht wieder zurückgeklappt.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Methode soll für den Patienten weitgehend schmerzfrei sein, die Heilungsdauer kürzer als bei der PRK. Trotz dieser Vorzüge hat auch das Lasik-Verfahren nach Einschätzung von Professor Christian Hartmann, dem Leiter der Augenklinik der Charité im Virchowklinikum, seinen Höhepunkt zumindest in den USA schon überschritten. Es gibt nämlich gelegentlich Probleme mit dem Schnitt, der der Laserbehandlung vorausgeht. In maximal einem Prozent der Fälle wird der Flap genannte Hornhautlappen, mit dem die Wunde hinterher verschlossen wird, verschnitten. Das kann zur Narbenbildung führen. Weshalb Hartmann prophezeit, dass ein drittes Verfahren, die so genannte Lasek, an Bedeutung gewinnen wird, bei dem ein hauchdünner Flap chemisch gelöst wird.

Mitunter klagen Patienten nach der Behandlung auch über Blendeffekte, verminderte Kontraste oder trockene Augen. Für gering hält Hartmann dagegen das Risiko, dass die beim Lasik-Verfahren verdünnte Hornhaut irgendwann dem Augendruck nicht mehr standhält und sich infolgedessen vorwölbt - vorausgesetzt, vor dem Eingriff wurde ausgeschlossen, dass bei dem Patienten nicht bereits eine Hornhautverdünnung vorlag. Mit letzter Sicherheit ausschließen lassen sich etwaige Spätschäden allerdings nicht, es gibt noch keine Langzeitstudien. Immerhin, mit 15 Jahren verfügt die Augenklinik der Charité, die aus dem Charlottenburger Westend hervorgegangen ist, über die längste Erfahrung in Deutschland. Egal aber, für welches Verfahren der Patient sich entscheidet, auch der vermeintlichen Allzweckwaffe Laser sind Grenzen gesetzt. Hartmann würde die PRK allenfalls bei einer Fehlsichtigkeit von ein bis drei Dioptrien empfehlen, Lasik kommt bei einer Kurzsichtigkeit bis acht und bei Weitsichtigkeit bis fünf Dioptrien infrage. Und spätestens ab 45 wird der Patient wohl doch wieder zur Lesebrille greifen müssen. Denn die altersbedingte Weitsichtigkeit lässt sich mit dem Laser nicht beheben. Hierfür sind Operationen an der Augenlinse erforderlich.

www.augenklinik-charite.de www.augeninfo.de www.lasik-berlin.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben